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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe
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Die Zauberer aus dem Osten

Erst waren sie Magier, dann Astrologen, danach Weise und schließlich Könige.

Im originalen Text der Bibel wird von Magiern geschrieben. Die Geschichten von Jesus sind im Original auf Griechisch verfasst. Da steht, es kamen Magoi*, also Magier oder Zauberer, in anderer Übersetzung auch Sterndeuter also Astrologen. Sie deuteten ja den Stern als Zeichen für Jesu Geburt.

Das war Luther und anderen Übersetzern wohl nicht geheuer. Luther übersetzte Magoi mit Weise:

"Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten."
_ BIBEL, Matthaeus, 2:1-2

Wir lesen keine Anzahl! Wie kommt man auf die Anzahl drei?

Dass es drei waren, wurde aus den drei Gaben geschlossen:

"[Die Magier] gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe."
_ BIBEL, Matthaeus, 2:11

Drei Geschenke, also müssen es drei Schenker gewesen sein, schloss man.

Wie wurden nun drei Könige aus den drei Magiern oder Astrologen oder Weisen?

Das wurde hergeleitet aus Psalm 72, Vers 11 im Alten Testament. Im Text des Psalms verspricht König Salomon, was Gott alles tun wird und wie Gott geduldigt werden wird.

"Alle Könige werden ihn anbeten; alle Heiden werden ihm dienen."
_ BIBEL, Psalm, 72:11

Für die Mehrheit der Christen der westlichen Kirchen erscheint Jesus Christus als Gottes Sohn gleich Gott Vater, also Jesus wird gesehen als eine Erscheinung Gottes, daraus folgerte man:

Die drei Männer, die dem Stern zu Jesus folgten, müssten die von Salomon erwähnten Könige sein...

*"ecce Magi ab oriente" = diese Zauberer aus dem Osten, siehe Vulgata-Bibel des Hieronymus.

Kein Elbisch

"Ik gihorta dat seggen
dat sih urhettun aenon muotın
hiltibrant enti hadubrant untar heriun tuem"

"Ich hörte das sagen,
dass sich als Herausforderer einzeln mühten:
Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren."

So beginnt das Manuskript des Hildebrandliedes, eines unserer deutschen Mythen.

Die Schrift ist über 1.200 Jahre alt. Nur eine Seite Text ist überliefert auf der Innenseite eines Bucheinbandes aus Pergament. Das Stück liegt in Kassel. 

Nur der Anfang ist überliefert:

Zwei Heere stehen sich gegenüber. Um ein Gemetzel zu vermeiden, wählt jede Partei ihren größten Kämpfer. Nur die sollten gegeneinander antreten. Es sind Vater und Sohn. Sie erkennen sich nicht. 

Wir wissen nicht, wie der Kampf ausgeht.  Das Pergament bricht vorher ab. Der Schluss ist verloren. 

Aus anderen Sagen kann man schließen: Der Vater tötet den Sohn. Der Vater war Hildebrand, der erfahrene Waffenmeister Theoderichs des Großen, in der Sage: Dietrich von Bern (451 bis 526).

Das Hildebrandslied ist in Althochdeutsch geschrieben.

Meine Mutter hat mir schon vom Hildebrandslied erzählt, als ich ein Kind war. Danke.

Seit 153 vor Christus: Prost Neujahr

Papst Innozenz XII. legte 1691 kirchen-offiziell den Neujahrstag auf den 1. Januar. Bis dahin galt in vielen christlichen Ländern der 6. Januar als christliches Hochneujahr, als Beginn des christlichen Neuen Jahres. 

Im Römischen Kalender galt seit dem Jahr 153 vor unserer Zeit der 1. Januar als erster Tag des Jahres-Kalenders. Die heidnischen Römer feierten den ersten Tag des Jahres durch Besäufnis und Völlerei und machten überhaupt Party. Mit sehr heidnischen, äh, Ritualen.

Von dieser Tradition wollten sich die ersten Christen und später die Kirche abwenden. Sie feierten bewusst den Drei-Königs-Tag als ersten Tag des Jahres. Im 9. Jahrhundert wurde sogar versucht, dem 6. Januar als Jahresanfang eine alt-römische Tradition zu geben. Das stellte sich später als Fälschung heraus. Die echten Quellen bestätigen das nicht. Auch als das Christentum seit 390/394 nach Christus Staatsreligion der Römer war, blieb der 1. Januar offizieller erster Tag des Kalenderjahres. Im Jahr 1691 gab die Kirche nach.

Jesus Christus als Sonnengott

Der römische Kaiser Aurelian legte den 25. Dezember 274 nach Christus fest als Tag des römischen Sonnengottes: Sol invictus. Das bedeutet "unbesiegbarer Sonne(ngott). Eine Zeitlang war Sol invictus römischer Reichsgott. Dargestellt wurde er mit Sonnenkranz, der hinter dem Kopf hervorstrahlt.

Kommt uns bekannt vor?

In der Spätantike sahen Christen Parallelen zwischen Christus und dem Sonnengott. Jesus wurde als der wahre Sonnen(gott) beschrieben, als "Christus verus Sol".

Der Autor der Offenbarung berichtet von seiner Vision der Rückkehr des Jesus Christus in der Endzeit der Welt:

"Und [Jesus Christus] hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und (...) sein Angesicht leuchtete wie die helle Sonne."
_BIBEL, Offenbarung, 1:16

Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember im Jahr 336 erstmals schriftlich belegt. Sehr wahrscheinlich wurde der Tag nach Heiligabend schon vorher gefeiert.

Im Jahr 597 vor Christus kamen die Veganer in die Bibel

Über gesunde Ernährung und Studien wird viel geschrieben, gelesen und geredet. Das halten wir für modern. Ist es nicht. Es ist uralt. 597 vor Christus wurde Jerusalem erobert vom babylonischen König Nebukadnezar II. Er ließ jüdische Knaben als Geisel an seinen Hof nach Babylon holen. Dort sollten diese in seinem babylonischen Sinn erzogen werden. Einer der Knaben war Daniel. Nebukadnezar befahl dem Aufseher: Die Knaben sollten von des Königs Tafel versorgt werden, also mit Wein und Fleisch. Da sagte Daniel zu dem Aufseher:

"Versuche es doch (...) und lass uns geben Gemüse zu essen und Wasser zu trinken. Und lass dann vor dir unsre Gestalt und die der Knaben, so von des Königs Speise essen, besehen; und je nachdem, was du sehen wirst, wähle, was du uns zu essen gibst.
Und [der Aufseher] gehorchte [Daniel] darin und gab den jüdischen Knaben zehn Tage lang nur Wasser und Gemüse. Und nach den zehn Tagen waren die Geiseln schöner und besser bei Leibe denn alle Knaben, Die von des Königs Speise aßen."
_Bibel, Buch Daniel 1.12-15.

Michael Zeng 

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist der Tag des Heiligen Stephan

Der Tag des heiligen Stephan wird als zweiter Weihnachtstag gefeiert.

Stephan wurde nach dem Urteil eines jüdischen Gerichts gesteinigt. Er gilt als der erste Märtyrer des Christentums, das damals noch eine jüdische Angelegenheit war.

Die Anklage lautete: Stephan propagiere die Zerstörung des jüdischen Haupt-Tempels und fordere die Veränderung der Regeln der jüdischen Religion.

Stephan galt als anerkannter großer Gelehrter. Seine Meinung besaß großen Einfluss. Die Menschen wussten, Stephan kennt genau und wörtlich die alten Schriften, die später das Alte Testament sein würden. 

"Und [das Volk] vermochte der Weisheit und dem Geist, mit dem [Stephan] redete, nicht zu widerstehen." _Apostelgeschichte 6:10

Stephan anerkannte Jesus als Prophet und Erlöser. In seiner Verteidigungsrede führte Stephan aus, wie oft die Juden ihren eigenen früheren Propheten nicht gefolgt seien. Und welches Unglück das gebracht habe.

Durch diese Taktik waren bald die Ankläger und Richter die Schuldigen. Das führte natürlich nicht zum Freispruch. Außerdem erkannte das Gericht die Grundannahme der Verteidigung nicht an: Für das Gericht war Jesus weder Prophet noch Messias. Man musste ihm nicht folgen. Das Urteil für Stephan lautete Tod durch Steinigung.

"Dann kniete [Stephan] nieder und schrie laut: 'HERR, rechne ihnen ihre Sünde nicht an!' Und als er das gesagt hatte, starb er [durch die Steinigung]." _Apostelgschichte 7:60



Die Riesen überlebten die Sintflut

Im ersten Buch Mose wird berichtet aus der Zeit vor der Sintflut:

"In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen, und auch später noch, nachdem sich die Gottessöhne mit den Menschentöchtern eingelassen und diese ihnen Kinder geboren hatten. Das sind die Helden der Vorzeit, die namhaften Männer."
_BIBEL, 1. Mose 6:4

Der Kirchenvater Hieronymus übersetzte in der Spätantike die hebräische und griechische BIBEL ins Lateinische. Seine Bibel heißt Vulgata und war und ist die Grundlage des geistlich-kirchlichen Lebens des westlichen Europas. Hieronymus übersetzte das hebräische Wort als Gigantes.

Luther übersetzte an dieser Stelle Giganten lieber mit Tyrannen. Erst später in seiner Übersetzung schreibt er doch von Riesen. Besonders als die Israeliten die "Riesen" besiegten und diese aussterben. So steht es in der Bibel. 

"Darum kam Kedor-Laomor und die Könige, die mit ihm waren, im vierzehnten Jahr und schlugen die Riesen zu Astharoth-Karnaim und die Susiter zu Ham und die Emiter in dem Felde Kirjathaim."
_BIBEL, 1. Mose, 14:5

"Dazu [eroberten sie] das Gebiet des Königs Og von Basan, der noch von den Riesen übrig war und wohnte zu Astharoth und Edrei."
_BIBEL, Josua, 12:4

Schließlich war nur noch der König der Riesen übrig. Er verschwand im Dunkel von Geschichte, Sage und Märchen. 

"(Denn allein der König Og von Basan war noch übrig von den Riesen. Siehe, sein eisernes Bett ist zu Rabba der Kinder Ammon, neun Ellen lang und vier Ellen breit nach eines Mannes Ellenbogen.)"
_BIBEL, 5. Mose, 3:11

Im Durchschnitt maß eine "biblische" Elle 45,6 Zentimeter. König Og war also etwa vier Meter hoch. 

Michael Zeng 

Die rauen Nachtleben des Heer Königs

Heute beginnen die Rauen Nächte.
Das sind die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar.

In der Mitte der Rauen Nächte bricht die Wilde Jagd auf, in der Silvesternacht. Unter Führung des Heerle King, des Heerkönigs, jagen Dämonen über den dunklen Himmel. Ihnen folgen die Geister aller Menschen, die durch Mord und Totschlag ums Leben kamen und keine Ruhe finden und ihre Wut in den Nachthimmel schreien. Das tost wie Sturmwind.

Die Wilde Jagd gilt allerdings nicht grundsätzlich böswillig gegenüber den Lebenden, wenn diese Regeln einhalten. So sollten alle wichtigen Arbeiten zum Jahresende abgeschlossen sein. Manche sagen, es sollte keine Wäsche auf der Leine hängen, die Wilde Jagd könnte sich verfangen und doch handgreiflich werden. 

Zuerst beschrieben wurde die Wilde Jagd im Jahr 1091 vom normannischen christlichen Priester Gauchelin. Er nannte die Wilde Jagd des Herlekings Familie.

Aus Herleking wurde im späten Mittelalter die Figur des Harlekin, der bitterböse Streiche spielt.

945 Jahre Gang nach Canossa

"Nach Canossa geh'n wir nicht."

Das verkündete Otto von Bismarck 1872 im Deutschen Reichstag.

Das waren starke Worte des Kanzlers des Deutschen Kaiserreichs, das von 1870/71 bis 1918 existierte. Der frisch gegründete Bundesstaat hatte einen Botschafter zum Vatikan gesandt.

Der Papst lehnte den Botschafter ab, weil dieser die kurz zuvor beschlossene Unfehlbarkeit des Papstes angezweifelt hatte. Die Unfehlbarkeit gab dem Papst die Macht, letzte Instanz in katholischen Glaubensfragen zu sein.

Allerdings war der Papst auch nicht amüsiert über den Kulturkampf mit Preußen, dem protestantischen Stammlandes des Deutschen Kaiserreichs. Der preußische Staat entzog der Kirche unter anderem die behördliche Verantwortung über Geburt, Heirat und Sterben. Für deren juristische Erfassung waren seit 1874 die Standesämter zuständig, nicht mehr die Pfarrer. 

Heute beherbergen Kreisarchive und Stadtarchive historische Personenstandsunterlagen.

Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich II. ging im Dezember 1076 einen Bußgang über die winterlichen Alpen nach Canossa, einer Burg im italienischen Alpenvorland. 

Zuvor hatte der Papst Gregor VII. den Kaiser exkommuniziert, aus der Kirche ausgeschlossen. Damit war rechtlich kein Regieren mehr möglich, der Kaiser galt als von Gottes Gnaden eingesetzt. Alle Verträge und Vereinbarungen waren auf den kirchlichen Gott geschworen. Diese Verträge galten theoretisch nun nicht mehr, da der Kaiser nun außerhalb der Kirche stand. 

Papst Gregor VII. war auf dem Weg zu einem Treffen mit den deutschen Fürsten. Zusammen wollte Fürsten und Papst den Kaiser Heinrich IV. anklagen, verurteilen, entmachten. 

Kaiser Heinrich IV. durchkreuzte den Plan. Im Dezember 1067 machte er sich auf nach Canossa. So stand der Kaiser Ende Januar 1077 als Büßer barfuß im Schnee vor der Burg Canossa. Dort rastete der Gregor VII. auf seinen Weg nach Deutschland zu den Fürsten. 

Kaiser Heinrich IV. erfüllte durch seine Buße alle Formalitäten zur Wiederaufnahme in die Kirche. Der Papst musste den Kaiser wieder aufnehmen. Damit legitimierte der Papst den Kaiser sogar. 

Die deutschen Fürsten fühlten sich vom Papst im Stich gelassen gegen den Kaiser und gingen langfristig auf Distanz zum Papsttum. Das bereitete unter anderem langfristig die deutsche Reformation vor.

Papst und Kaiser verloren für immer ihre "glaubhafte" Legitimation als von Gott eingesetzt. Diese göttliche Einsetzung gab es nur noch auf dem Papier, sehr bald nicht mehr im Bewusstsein der Gesellschaft. 

Kaiserherrlichkeit und Papsttum verloren ihre göttliche Rechtfertigung und verloren damit langfristig an ideologischer Bedeutung. 

Das Mittelalter war nach dem Gang nach Canossa auf dem absteigenden Ast. Der Zenit war überschritten. Die Neuzeit bereitete sich vor, das Mittelalter abzulösen. Das Zeitalter des Glaubens endete das Zeitalter der Vernunft sollte beginnen. 

Doch wie spottet Mephisto, der Teufel, in Goethes Faust I über den Menschen: "Er nennt's Vernunft, doch brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein."

Michael Zeng 




Vom Herrschen zum Regieren

REGIEREN als Erfindung der Schreiber

An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert wurde das Wort "regieren" erfunden.

Langsam setzte sich durch, auf Deutsch zu schreiben, statt in Latein zu fabulieren. Schreiber überlegten sich, wie lateinische Begriffe wohl am besten zu verdeutschen seien.

Wenn Schreiber Worte suchen,  möchten sie damit auch ihre Wünsche an die Welt ausdrücken. Wir suchen beim Schreiben das Wort, das unsere Absichten trifft und heraushebt.

Das Wort "herrschen" gab es wohl, aber da zählte oft nur plumpe Gewalt. Das braucht keine Kunst. Herrscher waren oft ungebildete Grobiane. 

Die Schreiber wünschten sich das Herrschen als Kunst, wurzelnd in Verstand und Wissen. Sie fanden das lateinische "regere",  das "lenken" oder "leiten" bedeutet. Und dann fanden die Schreiber einen Trick! In höfischen Kreisen war es gerade Mode, jede Tätigkeit, die der König oder Hofschranzen verrichteten mit der Endung "-ieren" aufzuwerten. Das kennen wir ja heute noch. Wir eruieren, statt zu fragen. Wir kopul... Äh, usw. Also: Wir koalieren, statt uns zu verbünden, uns zusammen zu tun.

So kam das Wort "regieren" in die Welt der deutschen Texte und Reden. Es war die versteckte Aufforderung an die Herrschenden, mit Wissen und Verstand zu lenken und zu leiten. Und auf Experten zu hören.

Uralte Magie wirkt mächtig

Quelle: Wikipedia 
Vor etwa 1.100 Jahren schrieb ein Fuldaer christlicher Mönch zwei heidnische Zaubersprüche in eine Sammlung geistlicher Texten. 

In beiden Sprüchen werden alte germanische Götter angerufen. 

Nach 990 kam das Buch nach Merseburg. Dort wurde es 1841 gefunden. Seitdem heißen die Texte Merseburger Zaubersprüche: ein Lösungszauber und ein Heilungszauber oder Segen.

Die Sprüche reimen sich in althochdeutscher Sprache. So wurde von 750 bis 1050 gesprochen. Neben den Zaubersprüchen kennen wir nur das Hildebrandslied in dieser Sprache. 

Der eine Spruch sollte Gefangene befreien, Krieger von ihren Fesseln. Der zweite Spruch sollte Verletzungen von Pferden heilen, verrenkte Füße. 

Ob die Sprüche halfen, wissen wir nicht. Vermutlich schien es so, sonst wären die Sprüche des Aufschreibens nicht würdig gewesen.

Aber einen mächtigen Zauber bewirkten die beiden heidnischen Sprüche auf jeden Fall: Wir kennen und bewundern die Sprüche über 1.100 Jahre nach ihrem Aufschreiben. Was für ein mächtiger mächtiger mächtiger Zauber!

Michael Zeng 




Die lange REISE: Halloween kommt aus Europa.

Die Kelten der britischen Inseln feierten Halloween als Fest der Toten, seit uralter Zeit.

Der große Religionskundler Sir James Frazer bezeichnete Halloween als  "altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle". Frazer forschte und veröffentlichte in den 1920er-Jahren.

Irische Einwanderer brachten ihre Bräuche mit in die USA. Und: Wie es so ist, wenn Auswanderer ihre Bräuche mitnehmen: In der Fremde wird Ernsthaftes kitschig.

Nach dieser Wandlung kam Halloween wieder nach Europa zurück.

Michael Zeng 

Wo stand die Burg des Grafen Wigger?

Blick aus Süden per Google Earth, kopiert am 27.10.2021

Wo lag die Altenburg des legendären Grafen Wigger I. von Bilstein im heutigen Oberdorla?

Graf Wigger wurde geboren vor 968 und starb 981. Die Grafen von Bilstein gehörten zu den drei mächtigsten Familien im Frühmittelalter in Thüringen. Das Geschlecht stammt aus der Nähe von Merseburg. 

Nach einer Vermutung von Rolf Aulepp von 1987 könnten die heutigen Straßen Am Anger, Am Wasser, Brauhausstraße und Tränkgasse die Lage einer alten Rundburg markieren. Das steht in den Mühlhäuser Beiträgen, Heft 10, von 1987. 

Rolf Aulepp war ein verdienstvoller Mühlhäuser Heimatforscher und Denkmalschützer.

Die runde Burganlage könnte die Altenburg gewesen sein, wo Graf Wigger residierte. Er schenkte den Vogteiern ihren Hainichwald. 

In der Mitte sehen wir die heutige Oberdorlaer Kirche und das Stiftsgebäude aus dem 12. Jahrhundert. Es gab Vorgängerbauten aus der Zeit von Graf Wigger. Er gilt als Erbauer der alten Kirche. 

Geistliche Stifter als kirchliche Gebäude-Komplexe wurden oft in ehemaligen Burgen errichtet. 

Michael Zeng, Vogteier und Historiker 

Wo zwischen liegt das Mittelalter?


Das Mittelalter wird oft an der Kleidung der Menschen festgemacht. Ansonsten herrscht Verwirrung. Wer, was, wann ist mittelalterlich?

Der Begriff Mittelalter stammt nicht von Tolkien sondern von den Humanisten des 16. Jahrhunderts. Sie bezeichneten die Zeit zwischen der Antike und ihrer eigenen Zeit als Mittelalter, als dunkle Mitte dazwischen.

Die Forschung einigte sich auf 500 nach Christus als Beginn des Mittelalters und um 1500 auf das Ende. Die Neuzeit begann. Warum?

Um 500 wurden die Franken als mächtigster Stamm der Germanen katholisch. Damit gerieten die Könige der Franken unter den Einfluss der Päpste. Die erhoben dann den Franken Karl zum Kaiser. Karl sah sich als Nachfolger der römischen Kaiser.

Später ließ sich der ostfränkische König Otto I. vom Papst zum Kaiser krönen.

Aus dem ostfränkischen Reich wurde das deutsche Reich. Von da an wurden im Deutschland Könige gewählt, die erst durch den Papst zum Kaiser werden konnten. Dafür stellten die Päpste Bedingungen. Diese Bedingungen bestimmten die große Politik im Mittelalter.

Ab 1508 wurden im Deutschen Reich dann direkt die Kaiser gewählt. Der Papst war außen vor.

Das und die Änderungen des Weltbildes durch die Entdeckung Amerikas und die Weltumrundung durch Magellans Schiffe, beendeten das Mittelalter. Die Reformation und der schnelle Buchdruck taten ihr Übriges. Die Neuzeit begann.

Michael Zeng 

Die Werra: ein doppeldeutiger Fluss

Die erste Quelle der Werra liegt in der Nähe von Fehrenbach 797 Meter über dem Meeresspiegel.
Die zweite Quelle der Werra sprudelt bei Siegmundsburg auf 805 Meter über dem Meeresspiegel.

Die Werra hat zwei Quellen. Und nachdem Werra und Fulda zusammenfließen, verlieren beide Flüsse ihre Namen und werden zur Weser.

Bis Ende des ersten Jahrtausends wurden Werra und Weser nicht unterschieden. Beide heutigen Flüsse wurden Weiseraha oder ähnlich genannt. Das kommt von "wueiser", gleich "fließen" und "aha", gleich "Wasser". Unsere Vorfahren nannten die Werra also einfach "Fließendes Wasser".

Die erste Quelle liegt  in der Nähe von Fehrenbach 797 Meter über dem Meeresspiegel. 
Die zweite Quelle sprudelt bei Siegmundsburg auf 805 Meter über dem Meeresspiegel. 

Die Orte und Gelehrten streiten, welche Quelle die echte ist. Beide Quellen treten im Thüringer Schiefergebirge zu Tage. 

Die Werra entspringt also im Thüringer Schiefergebirge. Und von dort fließt sie fast 300 Kilometer bis sie zur Weser wird und von da strömt die Werra als Weser bis Bremen und zum Meer.

Michael Zeng 

Der Napoleon der Diplomatie

Charles Maurice de Talleyrand musste es wissen. Er lebte von 1754 - 1838 und war französischer Bischof, Staatsmann und Außenminister.

Das Besondere: Er war Meister der Diplomatie. Er überstand als Adliger und Politiker alle Phasen der Französischen Revolution, war Diplomat unter Napoleon I. und den folgenden Königen. Und nach dem Zusammenbruch des Napoleonischen Reiches schaffte Talleyrand, dass Frankreich keine Gebiete verlor.

Diplomatie plus Intelligenz trafen in ihm auf eisernen Willen. Vielleicht lag es daran: Talleyrand war seit seiner Kindheit schwer körperlich behinderte. Er litt unter einem Klumpfuß und dessen Auswirkungen auf seinen gesamten Körper. Er musste orthopädische Geräte tragen. Die bereiteten im ständig Schmerzen. 

Er musste sich immer durchsetzen. Wegen seiner Behinderung entzog ihm seine Familie seine Rechte als Erstgeborener. Und er lief immer Gefahr, wegen seiner körperlichen Unzulänglichkeiten auch für geistig behindert zu gelten. Das war zu seinen Lebzeiten Praxis.

Kimbern und Teutonen verändern die Geschichte Roms

Germanen machten die Römer zu Herrschern der Welt

Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus wanderten die germanischen Stämme der Kimbern und Teutonen über Gallien nach Norditalien ein.

Diese Völker hatten nichts zu verlieren, suchten eine neue Heimat und waren auf Beute aus. Sie trafen auf die römische Republik. Etwa 300.000 Menschen waren unterwegs, wohin ihr Orakel sie führte.

Die Römer staunten über die Wilden aus dem Norden. An der Spitze der römischen Republik standen zwei Konsuln. Die waren arrogant, ehrgeizig und konnten sich gegenseitig nicht leiden. Jeder wollte allein die Barbaren besiegen.

Beide römische Heere wurden einzeln vernichtet von den Kimbern und Teutonen. Über 80.000 römische Legionäre fielen in zwei Schlachten. Dazu kamen 40.000 Tote vom Tross der Römer.

Das damalige römische Heer bestand aus Wehrpflichtigen, die sechs Jahre dienen mussten. Die hatten wenig Chancen gegen germanischen Stammeskrieger, deren Lebensziel es war, so tapfer im Kampf zu fallen, dass die Walküren sie zur ewigen Party holten. Feiglinge und Schwache waren nicht willkommen im Leben und im Tode. 

Die schlimme Niederlage ließ die Römer ihr Heereswesen reformieren. Der Politiker und Militär Marius schuf ein Berufsheer. Die Legionäre konnten als Berufssoldaten intensiver und länger trainiert und diszipliniert werden. Außerdem bot die Armee der römischen Unterschicht, viele Möglichkeiten sozial aufzusteigen.

Gegen solche Legionäre hatten die Germanen und andere Stammeskrieger keine Chance mehr, einige hundert Jahre lang. Nur ähnlich organisierte Staaten hatten eine Chance gegen Roms Rache.

Die Römer vernichteten die Kimbern und Teutonen, beide Völker verschwanden aus der Geschichte. Nur deren Name blieb, als Schimpfwort für grobe Deutsche.

Rom wurde Weltmacht. Das Imperium romanum wurde Legende und Vorbild. Bis seine Zeit vorbei war. Wieder waren es Germanen, die die römische Geschichte änderten. 

Allerdings begann mit der Heeresreform des Marius eine Entwicklung, die zum Untergang der römischen Republik führen sollte und letztlich auch des römischen Kaiserreichs:

Die obersten Heerführer wurden für die Legionäre wichtiger als die zivilen Führer. Marius selbst wurde nach seiner Heeresreform gleich mal zeitweise Diktator. 

Und weltgeschichtlich: Weil das Heer eher von Caesar als Führer begeistert war als vom Senat, konnte Caesar den Senat entmachten. Später gab es sogar  Soldatenkaiser, vom Heer gewählte Herrscher. 

Der Politiker bekam politische Macht, der sich militärisch durchsetzte. Das zog sich von nun an durch die europäische Geschichte und verwandte Kulturen. 

Der chinesische Diktator Mao brachte es zweitausend Jahre später auf den Punkt: Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen. 

Erst Jahrhunderte nach den Römern setzte sich Politik und Demokratie gegen das Militär durch, aber noch lange nicht überall.

Michael Zeng 

Die Welt verändert sich für immer

Der 14. Oktober 1066 änderte die Welt für immer. An diesem Tag tobt die Schlacht von Hastings in England. Aus Angelsachsen wurden Engländer.

Herzog Wilhelm von der Normandie war mit einer Streitmacht in England eingefallen. England war damals ein Königreich der Angelsachsen. Bei Hastings standen sich beide Heere gegenüber. 

Zuerst kämpften die Fußtruppen. Als die Normannen zurückwichen, zogen die Angelsachsen ihre Formation auseinander. In dieser Situation hatte die normannische Reiterei unter Herzog Wilhelm leichtes Spiel. Sie überranten die Angelsachsen. Deren König fiel.

Mit dem Tod von König Harald II. brach der staatlich organisierte Widerstand gegen die Eroberer zusammen. Auch weil die Angelsachsen geschwächt waren durch die Kämpfe gegen die Skandinavier, die von Osten her eingefallen waren. Gerade hatten die Angelsachsen den norwegischen Wikinger Harald den Harten zurückgeschlagen. 

Aus Herzog Wilhelm von der Normandie wurde Wilhelm der Eroberer, König von England.

Mit der Verbindung von Normandie und England durch die neue quasi französische Oberschicht begann England eine europäische Rolle zu spielen.

Auch änderte sich die Sprache auf der Insel. Aus Angelsächsisch wurde Englisch. Französische Einflüsse in dieser Sprache sind genau die Sachen im Englischen, die für uns nicht einfach zu lernen sind, eben weil es eigentlich französische Elemente sind.

Und mit dem Sieg der Ritter über die traditionellen Fußstruppen begann das ritterliche arrogante Mittelalter. Noch lange ließen die neuen französischen Herren die eroberten Angelsachsen ihre Überlegenheit spüren.

Das finden wir besonders in der Geschichte von Robin Hood. Robin, Marian und die Bande waren Angelsachsen, der Sheriff von Nottingham war ein typischer arroganter Normanne, französischen Ursprungs, so wie alle hochadligen bösen Figuren in der Robin-Hood-Geschichte.

Michael Zeng 

Quelle Abbildung: Wikipedia

Das Abraham-Prinzip

Gerade trafen sich Papst und Aiatolla, die Oberhäupter der Katholiken und der schiitischen Muslime in der Gegend der antiken Städte Ur und Uruk im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris.

Ur und Uruk waren vielleicht die ersten Städte der menschlichen Zivilisation im heutigen Sinne. Gilgamesch und Abraham kommen von dort. Von Gilgamesch handelt die erste geschriebene Erzählung der Menschheit, Abraham wird verehrt von Juden, Christen und Muslimen.

Der Altvater Abraham verkörpert das Prinzip der Gnade durch unbedingten Gehorsam. Darauf lassen sich trefflich Staaten und Religionen gründen.

Meist beginnt die Weisungskette allerdings eine Etage unterhalb von Gott, auf einem menschlichen Thron, später hinter einem menschlichen Schreibtisch.

Das Gebot des Gehorsams bleibt davon unberührt. Der menschliche Beginn der Weisungskette beruft sich auf seine Eingebung von Gott oder Auswahl durch Gott oder seine Legitimation durch eine Wahl. In den Schriftreligionen steht das geschrieben in Büchern: Thora, Bibel, Koran. Die enthalten angeblich die Dienstanweisungen Gottes an die Menschen.

Die Gefahr des Abraham-Prinzips:
Gottes Wille unterliegt der obersten menschlichen Interpretation und amtlichen Auslegungen. Und Gottes Wille muss den Dienstweg nehmen. Wo schon viel unter verschiedenen menschliche Schreibtische fiel. 

Jesus als der letzte Prophet der Christen, der vorletzte Prophet der Muslime und Jesus als Jude und Sohn des jüdischen Gottes bringt die Schwachen und Geringen ins Spiel.

Jesus fordert: Eine Religion, Frömmigkeit und Gottesnähe sollen sich messen lassen an der Art und Weise, wie umgegangen wird mit den Schwachen, den Kranken, den Kindern und den Niedrigen und Geringen.

Daraufhin: Die Mächtigen schlugen Jesus ans Kreuz zur öffentlichen schändlichen Hinrichtung.