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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Das Mittelalter war nicht finster

Überraschung: Das finstere Mittelalter war nicht finster.

Der Begriff Mittelalter stammt von den Humanisten, die die Zeit zwischen ihrer Ära und der Antike als Zeit dazwischen bezeichneten, eben als Mittelalter. Die Humanisten wollten direkt an die Antike anknüpfen. Aus dem, was damals über die Antike bekannt war, bastelten sich die Humanisten eine ideale Welt.

Damit der Humanismus heller erscheint, musste das Mittelalter finster sein. Um den Kontrast zu erhöhen. Das verbreiteten die Humanisten. Für die war alles Mittelalterliche, das Gotisch im Sinne von barbarisch uralt. 

Antike Sklaven und massakrierte Besiegte, hätten da ihre Zweifel gehabt, ob die Antike soll toll war. 

Das Mittelalter wird gerechnet von 500 bis 1500, von der Taufe des Frankenkönigs Chlodwig bis zur Entdeckung Amerikas.

Beide Ereignisse änderten Europa für immer. Chlodwigs katholische Taufe brachte die fränkische Könige unter den politischen Einfluss der Päpste, ab 800 die germanischen Kaiser Und nach 1500 flutete das Siber aus Südamerika Europa mit Silbergeld. Damit wich der Wahrentausch der Geldwirtschaft. Der Kapitalismus wurde möglich.

Das Mittelalter bereitete die Neuzeit vor. Im Mittelalter wandelte sich die Antike in neue Herrschaftsformen. Aus dem römischen Reiche entwickelten sich germanische Reiche und aus Ostrom wurde Byzanz. Islamische Araber betraten die europäische Bühne. 

Viele praktische Erfindung wurden im Mittelalter gemacht.

Die riesigen gotischen Kirchen waren nicht möglich ohne Ingenieur-Wissen und technische Innovationen und Gewusst-wie. 

Im Mittelalter wurde der Räderpflug erfunden und das Kumet, also das Teil, mit dem die Kraft von Rindern und Pferden optimal als Zugkraft genutzt werden konnte. Das war für die Landwirtschaft eine Revolution wie später der Traktor. Räderpflug und Kumet ermöglichten Landwirtschaft auch auf schweren Böden und ermöglichten bis dato unbekannt reiche Ernten. Die Landwirtschaft konnte viel mehr Menschen ernähren, die sich nun in Vollzeit Handwerk, Kunst. Bau, Religion, Handel, Politik und Krieg widmen konnten.

Universitäten wurde gegründet, ein Rechtssystem geschaffen. Das Rechtswesen wurde Wissenschaft. Es wurde so viel gelesen und geschrieben. Nicht umsonst wurde die Brille im Mittelalter erfunden. Noch heute leben davon Optiker und Modemacher. 

Und die Theologie entwickelte in der Interpretation der Bibel die wissenaschaftliche Methode von These und logischem Beweis oder logischer Widerlegung.

These - Gegenthese - Auflösung durch objektive Logik.

Dieses Prinzip konnte dann auf die Naturwissenschaften angewandt werden. Es war fertig durchdacht und perfekt und ausbaufähig. Das mittelalterliche Denken hatte die Voraussetzungen geschaffen, nach der Bibel nun die Natur zu erforschen.

Und dass die Erde eine Kugel ist, wusste man im Mittelalter. Nicht umsonst symbolisiert der Reichsapfel (!) der Kaiser ihren Machtanspruch über den Erdball. 

Was wir als finsteres Mittelalter gefühlt wissen: Hexenprozesse, Verbrennen von Ketzern erlebte seine Blüte in der frühen Neuzeit, also nach 1500. Warum? Der Wandel der Welt nach Entdeckung Amerikas und dem Seeweg nach Indien, wälzte Wirtschaft und Denken um. Das führte zu Krisen, in denen Schuldige gesucht wurden. Und gefundene wurden.

Die Spaltung der christlichen Kirche durch die Reformation wurde von Staaten getragen, nicht mehr von Sekten und einzelnen Gruppen. Die Berufung auf die Konfessionen wurde zur Begründung, um Machtfragen zwischen Staaten zu klären. Höhepunkt war der 30-jährige Krieg. Zwischen 1618 und 1648 ordnete sich Mitteleuropa für die Neuzeit. Danach waren Ressourcen verbraucht und man begann neu. 

Die Schwierigkeiten, zu definieren, wann das Mittelalter endete, zeigen: Eigentlich waren Entwicklungen miteinander verbunden, Ursachen führten zu Wirkungen. Die Verbindung von Ursache und Wirkung zeigt sich als Prozess mit Wurzeln, Blüten, Früchten im ständigen Werden und Vergehen. Das sollten wir bedenken. Vielleicht können wir es steuern und gestalten, aufhalten können wir den Strom der Geschichte nicht.

Michael Zeng 


Die Europäer standen wie ein Eisblock oder rettete Karl Martel das Abendland?

Die Franken unter Karl Martel schlugen 732 ein arabisch-berberisches Heer bei Tours und Poitiers. Das rettete das Abendland vor der Islamisierung. 

Das stimmt und stimmt nicht. Zeitgenössische Chronisten erwähnen die Schlacht nur am Rande. Ihre Bedeutung wurde erst später deutlich. 

Die damalige Welt-Frontlinie zwischen Abend- und Morgenland verlief zwischen dem arabischen Kalifat und dem byzantinischen Reich in Osteuropa.

Karl Martel war eine Art Superminister und Premier am Hofe der machtlosen Merowinger Könige. Die Macht lag bei Karl Martel. Sein Enkel wird Karl der Große genannt werden. Und die Dynastie der Karolinger begründen. Sein Reich wird von der Biskaya bis zur Ostsee reichen. Aber das war zur Zeit des Karl Martel noch Zukunft.

Die Araber hatten von der arabischen Halbinsel aus ganz Persien, Nordafrika und Spanien erobert. Schließlich zogen sie in das fränkische Reich, um zu  plündern und einzelne Städte und reiche Klöster zu überfallen. Die Stärke der Araber war ihre Kavallerie. Sie tauchten unerwartet schnell auf, überfielen, plünderten und verschwanden mit Beute und Sklaven. Vom arabischen Wort für diese Raubzüge kommt unser Wort Razzia.

Die Franken setzten zu dieser Zeit auf die Infanterie. Mit Muskelkraft, Mut und Schildwall. Bevor die Franken am Ort des Überfalls ankamen, waren die Araber verschwunden. Außerdem bestand das fränkische Heer aus Bauern, die für den aktuellen Kriegszug eingesammelt wurden.

Im Herbst 732 wollten die Araber die reiche Stadt Tours überfallen.

Doch auf dem Weg nach Tours blinkte Metall von einem bewaldeten Hügel herab. Dort stand zwar Infanterie, aber gut bewaffnet und trainiert: professionelle Kampfmaschinen. Die Arabische Kavallerie musste bergauf stürmen und konnte sich zwischen den Bäumen nicht entfalten. Reiter und Pferde fanden sich in einem Schlachthof wieder. 

Karl Martel befahl einer kleinen Einheit das Lager der Araber anzugreifen. Als das die Araber merkten, wollten sie das Schlachtfeld verlassen, um ihre Beute zu schützen. Das wurde quasi zu Flucht. 

Nach dieser Schlacht blieben die Araber noch mehrere hundert Jahre in Spanien mächtig. Aber die Zeit der Raubzüge ins Frankreich war vorbei.

Das wussten die Zeitgenossen noch nicht. Erst viele Jahre später wurde das erkannt. Vielleicht wäre die Schlacht vergessen worden, wenn Karl Martel nicht einen berühmten Enkel gehabt hätte.

Was aber blieb: In einer spanischen Chronik wurden im Jahr 754 die christlichen Kämpfer bei Tours und Poitiers EUROPÄER genannt als Bezeichnung für Bewaffnete, die auf fränkische Art kämpften. Die Kämpfer im Schildwall hätten gestanden wie "ein Eisblock". 

Das war die erste Erwähnung von Europäern im Sinne ihrer geografischen Herkunft.


Tanz- und Folkfest (Rudolstadt Festival)

Ich bin wieder auf dem Rudolstadt Festival, früher Tanz- und Folkfest. Bis seit Anfang der 1990er hier zu Hause.
Die Band Tolstoys gibt alles. Mischt Weltmusik vieler Regionen. Rudolstadt-Festival Konzertbühne Heinepark. Bin wieder zum Festival. Zu Hause seit Anfang der 1990er. mize260703

Ruhige Lieder mit Vibration. Die Band "Heide lauscht" entführt zu traditionellen Liedern aus Europa, den USA und Japan. Ort der Reise: Schillergärten in Rudolstadt-Festival, mize260703a

La Vespa Cougourdon Orchestra aus Südfrankreich nennt sich nach den Kapellen, die seit dem 13. Jahrhundert eine wilde Musik liefern für den Karneval in der Gegend um Nizza. Ein wichtiges Instrument sind Tubas und Hörner aus getrockneten Kürbissen (Cougourdon). Und natürlich sind alle wild geschminkt. Es gilt ja, böse Geister zu vertreiben. Erlebt beim Rudolstadt-Festival. mize260703d

Wort und Wirklichkeit

Hieronymus übersetzte die Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen ins Latein der Römer, zu seiner Zeit die Weltsprache in Europa. 

Dabei veränderte der Römer Hieronymus den Beginn des Evangeliums nach Johannes:

Aus
IM ANFANG WAR DER [Welt]GEIST ("Logos")
wurde
IM ANFANG WAR DAS WORT ("Verbum").

Hieronymus übersetzte also Weltgeist mit Wort. Nicht die Wirklichkeit war wichtig, sondern das Wort über die Wirklichkeit. 

Die Bibel des Hieronymus prägte das Mittelalter und wirkte weiter in der Bibel des Martin Luther. Selbst Goethes Faust legt die Hieronymus-Übersetzung aus. 

Die Folgen der Übersetzung erleben wir bis heute. Soziale Medien vervielfältigen das Wort ins millionenfache. Und die Bilder auch.

Es ist nicht wichtig, was wir empfinden, was wir wirklich erleben, was wirklich war oder ist. Wichtig ist das Wort darüber. Oder das Bild davon. Von Ereignissen bleiben mehr Bilder als bleibende Eindrücke und echte Erinnerungen. 

Wichtig ist nicht, was war, wichtig ist, was darüber geschrieben wird oder fotografiert. 

Fotos und Worte dokumentieren und transportieren Inhalte. Das gab es früher nur begrenzt: Erhalten wurde in mündlichen Berichten, Liedern, Erzählungen oder in Zeichnungen. Später kamen Bücher, Briefe, Dokumenten oder Inschriften hinzu. Heute millionenfach bis milliardenfach als E-Mail, WhatsApp, Telegram usw.

Neben Menschen direkt, können heute auch Maschinen Bilder und Texte erzeugen. Die KI bastelt Bilder.

Schon von Anfang an übermittelten Worte und Bilder die Information selbst plus deren Interpretationen: die Deutung und Meinung des Sprechers, Schreibers, Zeichners und Malers wurden zur Erinnerung an ein Ereignis. 

Selbst Fotos sind nicht objektiv oder wahr. Fotos betonen oder verschweigen, was der Fotograf will. 

Bilder und Worte übermitteln also immer die Meinung über die Wirklichkeit, nie die Wirklichkeit selbst. 

Meinung ist, wie die Wirklichkeit wirken soll. Wer die Bilder sieht oder die Worte liest, die Bilder sieht, liest und sieht, was er soll, was bei ihm wirken soll. Meinung interpretiert. 

Der Empfänger sieht und liest nie, was wirklich war. Er sieht und liest, was bei ihm wirken soll.

Weil Menschen auch die Wirklichkeit selbst nur wahrnehmen können wie Bilder und Worte, erschaffen Bilder und Worte Wirklichkeit und zwar mit Adresse, Zweck und Absicht. 

Daran sollten wir immer denken, wenn wir Bilder sehen und Worte lesen. Wir sollen und müssen immer fragen, was soll uns gesagt werden per Bild und Wort, was soll bei uns erzeugt werden? Wem nützt es?

Nur Wirklichkeit selbst ist wirklich. Bilder und Worte meinen, was wirken soll. 

Worte und Bilder ersetzen die Wirklichkeit nicht, aber sie prägen, wie Wirklichkeit erinnert, gedeutet und weitergegeben wird. Wahre Wirklichkeit ist niemals möglich, ist unmöglich zu transportieren. 

Das sollten wir immer bedenken, wenn wir sehen und lesen und hören. Selbst, wenn wir dabei sind, dann ist es unsere direkte Deutung, aber es ist auch nur eine Deutung. Besonders, wenn wir davon berichten in Wort und Bild. 

Wahrlich: Im Anfang war das Wort.
Seit Hieronymus ist es amtlich: Das Wort ersetzt die Wirklichkeit und Meinung glaubt Wahrheit zu sein. 

Was bleibt? Auch wenn Milliarden Menschen glauben, der Mond sei aus Käse, bleibt er doch aus Stein. 

Michael Zeng 

Vom Nebenmensch blieb nur die Herpes


Der Paranthropus war eine andere Art von Ur-Mensch. Der Name Paranthropus bedeutet Neben[dem]Menschen. Er lebte also neben dem Menschen. So wie heute die Menschenaffen. 

Der Paranthropus lebte von 2,9 bis 2,1 Millionen Jahren. 

Der Paranthropus und der Homo erectus lebten etwa eine Millionen Jahre parallel in Afrika. Dann starb Paranthropus aus und der Homo erectus entwickelte sich weiter in Europa zum Neandertaler in Afrika zum Homo sapiens, also zu uns. 

Der Paranthropus sah aus wie ein Gorilla mit menschlichem Gesicht. Sein Schädel war überproportional groß im Vergleich zum Körper. Er entwickelte einen gewaltigen Unterkiefer, dessen Muskeln an einem Knochenkamm auf dem Schädel ansetzten. So wie das bei Gorillas zu sehen ist. Deshalb haben Gorillas so hohe Schädel. 

Während die Home erectus universale Körper und Gliedmaßen entwickelten, waren die Körper von Paranthropus spezialisiert auf Nahrung, die eine gewaltige Kau-Kraft und riesige Zähne benötigte: Zweige, Nüsse, Knochen von Aas. Natürlich konnten sie auch weiche Nahrung essen. Aber sie aßen hauptsächlich Nahrung, die Homo erectus nicht ohne Werkzeuge oder Feuer verzehren konnte. 

Wahrscheinlich nutze Paranthropus Werkzeuge, wie Faustkeile, die Homo erectus hergestellt hatte. Sie selbst passten Knochen als Werkzeug an. So wie die Affen im Film Odyssee 2001. 

Die Paranthropus nutzen auf jeden Fall das Feuer. Sie härteten ihre Werkzeug-Knochen in den Flammen. Unklar bleibt, ob sie selber Feuer machen konnten. 

Die Technologie, Speere aus Holz herzustellen und zu nutzen, gaben die Homo erectus nicht weiter an den Paranthropus. Vielleicht konnte der das auch nicht erfassen und Speere wirklich planmäßig als präzise Wurfgeschosse nutzen. 

Vielleicht tauschten Paranthropus bei Homo erectus Faustkeile ein gegen Nüsse und Früchte, die sie gesammelt hatten. Vielleicht konnten sie besser klettern als Homo erectus. 

Als das Klima sich in Afrika wandelte, gab es die Pflanzen am Ort nicht mehr, von denen sich Paranthropus ernährte. Der Paranthropus starb also durch den Klimawandel aus. Er konnte sich nicht anpassen. 

Die Homo erectus waren weniger spezialisiert und passten sich an und erschlossen sich neue Nahrung. Er ging auf die Jagd und nutzte das Feuer, um neue Fleisch und Wildpflanzen essbar zu machen. 

Was blieb von den Paranthropus? Es blieb das Herpes-zwei-(HSV2)-Virus. Paranthropus stecke sich an bei den Schimpansen und gab das Virus weiter an Homo erectus. Wie, das ist noch nicht geklärt. Vom Homo erectus haben wir das Herpes-zwei-Virus geerbt.

Michael Zeng