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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und,
wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Sonntag, 29. März 2020

Die LEGENDE vom König SCHACH

Ein König herrschte selbstgerecht und grausam. Einen weisen Mann störte das und er erfand ein Brettspiel bei dem der König abhängig ist von seinem Hof,  seiner Königin, seinen Beratern und seinem Heer und alle von den Bauern.

Der König lernte das Spiel lieben und verstand dessen Weisheit. Er ließ das Spiel in seinem Reich verbreiten.

Das Spiel hieß Schach.

Der König wollte den weisen Mann belohnen. Und bot ihm an, er könne sich wünschen, was er wolle. Ach, sagte der weise Mann, ich wünsche mit nur Weizenkörner. Auf dem ersten Feld des Schachbrettes ein Korn, auf dem zweiten zwei, auf dem dritten vier und so weiter, immer die doppelte Anzahl.

Der König lachte sehr und war ärgerlich, weil sich der weise Mann so wenig wünschte... Schließlich könne er als König größere Wünsche erfüllen... 

Der Wunsch des Weisen ergibt 2 hoch 64 minus 1 Körner. Also:
18.446.744.073.709.551.615 
Das sind 18,45 Trillionen.
Tausend Körner wiegen vierzig Gramm. Dann wären das 730 Milliarden Tonnen Weizen. 
Das wäre das 972-fache der Welt-Weizen-Ernte von 2017.

Nach einer Weile fragte der Weise beim König nach, wo das Getreide bliebe... 
Die Mathematiker am Hof und der Schatzmeister gerieten in Panik... 

Der Hofnarr wusste Rat: Er empfahl dem König, er solle dem weisen Mann sagen, er gäbe ihm das Korn nur, wenn der weise Mann die Körner nachzähle. Jeder solle unbedingt wissen, dass der König seine Versprechen auch genau erfülle...

Hermann Hesses Geduld

Geduld ist das Schwerste und das Einzige,
was lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum,
aller Friede, alles Gedeihen und
Schöne in der Welt beruht auf Geduld,
braucht Zeit, braucht Stille,
braucht Vertrauen.

_Hermann Hesse 



Samstag, 28. März 2020

Frühling mit Fontane


Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh',
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du!

_Theodor Fontane

Freitag, 27. März 2020

Glück nach Hermann Hesse

Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
Und wäre alles Liebste dein.

Solang du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist. 

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst, 

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz - und deine Seele ruht.

_Hermann Hesse

Mittwoch, 25. März 2020

Sänger von DAF gestorben

Machte die Neue Deutschen Welle hart

Der Sänger der Band Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.) gestorben. Gabi Delgado wurde 61 Jahre alt. 

1978 gründete Delgado D.A.F. Mit anderen jungen Musikern der Ruhrpott-Szene wollte man provozieren.

Aber wie? Rock war zu altbacken. Punk war auch nur Rockmusik.

Die Lösung: Provozieren mit Texten und harten Elektro-Beats. D.A.F. rief das Publikum auf: "Tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler, beweg Deinen Hintern, klatscht in die Hände."

Die elektronische Härte von D.A.F. inspirierte Bands wie Depeche Mode und Ramstein.


Montag, 23. März 2020

Er ist's

Vor 188 Jahren starb Goethe

Goethe auf einem Gemälde von Stieler 1828. Quelle: Wikipedia.

Heute vor 188 Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe.

Er dachte und dichtete groß, wenn nicht am größten im deutschen Sprachraum. Menschlich hatte Goethe allerdings ein paar Schwächen. Wie's so is'.

Goethes Hauptwerk sind der erste und zweite Teil der Tragödie über den Dr. Faust.

Worum geht's?

Gott und der Teufel Mephisto wetten, dass Mephisto Faust vom rechten Weg abbringen könne. Mephisto glaubt das erreichen zu können, indem er Faust jeden Wunsch erfüllt, bis dieser keinen Wunsch mehr hat. Darum wettet Mephisto mit Faust. Er glaubt, damit den Frust von Faust ausnutzen zu können. 

Mephisto nimmt Faust mit auf eine Zauber-Reise. Gemeinsam loten sie die (negativen) Möglichkeiten der bürgerlichen Welt aus und reisen dann durch die Zeit von der Antike bis zu Goethes Gegenwart. 

Die Entwicklung zeigt Goethe an den drei großen Monologen des Faust.

Faust Monolog am Anfang vor der Begegnung mit Mephisto:

"Habe nun, ach! Philosophie, 
Juristerei and Medizin, 
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 
Da steh' ich nun, ich armer Tor, 
Und bin so klug als wie zuvor! 
Heiße Magister, heiße Doktor gar, 
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, dass wir nichts wissen können! 
Das will mir schier das Herz verbrennen. 
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen, 
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; 
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, 
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel -
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen, 
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, 
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, 
Die Menschen zu bessern und zu bekehren. 
Auch hab' ich weder Gut noch Geld, 
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt; 
Es möchte kein Hund so länger leben! 
Drum hab' ich mich der Magie ergeben, 
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund; 
Dass ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß; 
Dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält, 
Schau' alle Wirkenskraft und Samen, 
Und tu' nicht mehr in Worten kramen."

Faust Monolog am Ende seiner großen Reise mit Mephisto:

"Ich bin nur durch die Welt gerannt;
Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren,
Was nicht genügte, ließ ich fahren,
Was mir entwischte, ließ ich ziehn.
Ich habe nur begehrt und nur vollbracht
Und abermals gewünscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestürmt; erst groß und mächtig,
Nun aber geht es weise, geht bedächtig.
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um;
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, läßt sich ergreifen.
Er wandle so den Erdentag entlang;
Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er, unbefriedigt jeden Augenblick!"

Und die große Erkenntnis von Faust am Ende seines Lebens, was das Größte ist, was ein Mensch erreichen kann.

Faust hat gerade erlebt, wie Menschen sich mit Dämmen und Deichen ein Stück Sumpfland vom Meer erobern. Urbar machen. Und dieses Land als freie Menschen bewohnen und gemeinsam schützen und erhalten:

"Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das Letzte wär' das Höchsterrungene.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde,
Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft,
Den aufgewälzt kühn-emsige Völkerschaft.
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn. –
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick."

Quelle Foto Wikipedia, nach einem Gemälde von Stieler 1828.