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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Der Bruder vom lieben Gott



Seit Jahrtausenden gibt es in der Religion ein Problem: Warum gibt es das Böse in der Welt: Warum Schmerzen, Leid, Ungerechtigkeit?

Verschiedene Religionen fanden verschiedene und doch gleiche Lösungen, die sich entwickelten und komplexer wurden.

Später drückten auch die Philosophen ihren Senf auf die Wurst. Aber die Religion ist älter.

Eigentlich ist die Frage einfach: Schmerzen, Leid und Ungerechtigkeit wird es so lange geben, wie die vermeintlich aktuell Stärkeren einen Nutzen davon haben.

Aber die Religion sucht Sinn und Zweck im Walten höherer Mächte, aber immer im menschlichen Geist und im Bezug auf die Welt der Menschen. Welche Macht hat ein vergessener Gott, wenn niemand ihn mehr kennt? So die Götter der Sumerer, die vergessen sind.

Seit Menschen glauben, die Welt sei von einem Gott geschaffen, gibt es das Problem, warum hat dieser Gott die Welt so unvollkommen geschaffen: mit Leid, Gewalt, Krankheiten, schmerzender Dummheit und Krieg??

Eine religiöse Antwort darauf war die Erfindung des Demiurgen, des Schöpfers.

Bei den alten Griechen gab es viele Götter. Das bedeutet, einer der Götter konnte die Welt erschaffen haben, aber für das, was auf der Welt passiert, waren andere Götter zuständig. Die waren doch sehr menschlich... Womit das Unheil in der Welt erklärt ist.

Der Demiurg tritt zum ersten Mal beim altgriechischen Philosophen Platon auf.

Schwierig wird das mit dem Göttlichen, wenn es nur einen Gott geben soll. Wie konnte Gott gleichzeitig böse und gut sein?

Eine Lösung war: Für das Böse zuständig ist ein gefallener Engel. Im Christentum muss Luzifer den Job machen. Er ist der Böse. Gott ist der Gute. Punkt. Wir können wählen, wen wir anbeten.

Es bleibt das Problem, warum schuf Gott seine Welt so unvollkommen? Konnte er es nicht besser? Dann wäre er ja nicht allmächtig...

Darauf wurden zwei Antworten gefunden:

Es gibt einen extra Schöpfer, es gibt den Demiurg. 
Der Demiurg schuf das Universum, die Erde und die Menschen.

Da der Demiurg nicht der eine Gott war, sondern irgendwie der andere, konnte der Demiurg Fehler machen. Er war also der unvollkommene Handwerker, der verrückte Wissenschaftler, der Murksmacher. Der eine Gott behielt eine weiße Weste. Er hilft den Menschen, mit der Unvollkommenheit umzugehen. Zu ihm beten die Gläubigen, die an einen Gott glauben.

Die andere Lösung des Umgangs mit der unvollkommenen Welt:

Gott schuf die Welt unvollkommen, um den Menschen die Aufgabe zu geben, die Welt besser zu machen. Wir Menschen müssen uns dann messen lassen, an der Art und Weise, wie wir umgehen mit uns und der Welt, wie wir Gottes Aufgabe lösen.

Der Vorteil: Es können immer wieder Menschen anderen sagen, was Gottes Wille sei oder ihr eigener göttlicher Wille ist.

Jeder kann nach eigener Religion glücklich werden. Schuld sind natürlich die anderen.

In der Praxis funktioniert das auch ohne Gott. Allerdings sind wir dann auf uns allein gestellt...
Dann gnade uns Gott.

Michael Zeng