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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe
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Goethes schönste lyrische Rache

Goethes schönste Worte seiner Rache 
Der berühmte lyrische Beginn von Goethes Roman "Reinecke Fuchs" zeigt Goethes hohe Güte als Dichter. Dieser Anfang steht am Ende einer lebenslangen Arbeit mit der deutschen Sprache. 

Goethe war DER deutsche Dichter.
Er wurde Dichterfürst genannt, was aber ursprünglich eigentlich ironisch gemeint sein musste.

Goethe war bürgerlich. Er bekam zwar später den Adelstitel. Aber für die Adligen von Geburt an, blieb Goethe unter ihnen stehend. Dünkel stand über Dichten.

Der Dichterfürst war sein Leben lang abhängig von der Gunst der Fürsten. Er musste buckeln und sich andienen. 

Erst im Alter rächte sich Goethe.  Er rächte sich als größter deutscher Dichter. Das ganze Gedöhns um den echten Adel ging spätestens im Ersten Weltkrieg unter. Was Herr oder Frau von und zu äußerten, interessiert nur, wenn interessant. Von Goethe interessiert alles.

Goethe schrieb den Roman Reineke Fuchs. Er schrieb sich seinen Frust über den Adel von der Seele.

Der Dichterfürst verfasste den Vers-Roman als alter Mann, kurz vor seinem Tod.

Die Handlung geht zurück auf das Volksbuch von 1498.

Die Geschichte von Reinecke Fuchs hat es in sich. Das Böse siegt. Reinecke ist kein Guter. Er ist grausam, hinterhältig, listig. Immer wieder verübt er böse Taten. Aber es gelingt ihm stets, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und andere büßen zu lassen, statt selbst bestraft zu werden.

Das Buch ist ein Schelmenroman. Die Welt der Reichen und Mächtigen wird ins Tierreich verlegt. Der Löwe Nobel ist der König. Isegrim der Wolf. Grimbart heißt der Dachs, der Anwalt von Reinecke. Dadurch ist die Geschichte Reineke Fuchs pure Kritik an der Gesellschaft der Oberen.

Das Schelmische und der Schmerz der Betrogenen erzeugt beim Leser Schadenfreude, weil die Mächtigen durch ihresgleichen ihr Fett weg bekommen.

Der Anfang aber, der ist schönste Poesie.

Vor 188 Jahren starb Goethe

Goethe auf einem Gemälde von Stieler 1828. Quelle: Wikipedia.

Heute vor 188 Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe.

Er dachte und dichtete groß, wenn nicht am größten im deutschen Sprachraum. Menschlich hatte Goethe allerdings ein paar Schwächen. Wie's so is'.

Goethes Hauptwerk sind der erste und zweite Teil der Tragödie über den Dr. Faust.

Worum geht's?

Gott und der Teufel Mephisto wetten, dass Mephisto Faust vom rechten Weg abbringen könne. Mephisto glaubt das erreichen zu können, indem er Faust jeden Wunsch erfüllt, bis dieser keinen Wunsch mehr hat. Darum wettet Mephisto mit Faust. Er glaubt, damit den Frust von Faust ausnutzen zu können. 

Mephisto nimmt Faust mit auf eine Zauber-Reise. Gemeinsam loten sie die (negativen) Möglichkeiten der bürgerlichen Welt aus und reisen dann durch die Zeit von der Antike bis zu Goethes Gegenwart. 

Die Entwicklung zeigt Goethe an den drei großen Monologen des Faust.

Faust Monolog am Anfang vor der Begegnung mit Mephisto:

"Habe nun, ach! Philosophie, 
Juristerei and Medizin, 
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 
Da steh' ich nun, ich armer Tor, 
Und bin so klug als wie zuvor! 
Heiße Magister, heiße Doktor gar, 
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, dass wir nichts wissen können! 
Das will mir schier das Herz verbrennen. 
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen, 
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; 
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, 
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel -
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen, 
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, 
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, 
Die Menschen zu bessern und zu bekehren. 
Auch hab' ich weder Gut noch Geld, 
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt; 
Es möchte kein Hund so länger leben! 
Drum hab' ich mich der Magie ergeben, 
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund; 
Dass ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß; 
Dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält, 
Schau' alle Wirkenskraft und Samen, 
Und tu' nicht mehr in Worten kramen."

Faust Monolog am Ende seiner großen Reise mit Mephisto:

"Ich bin nur durch die Welt gerannt;
Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren,
Was nicht genügte, ließ ich fahren,
Was mir entwischte, ließ ich ziehn.
Ich habe nur begehrt und nur vollbracht
Und abermals gewünscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestürmt; erst groß und mächtig,
Nun aber geht es weise, geht bedächtig.
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um;
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, läßt sich ergreifen.
Er wandle so den Erdentag entlang;
Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er, unbefriedigt jeden Augenblick!"

Und die große Erkenntnis von Faust am Ende seines Lebens, was das Größte ist, was ein Mensch erreichen kann.

Faust hat gerade erlebt, wie Menschen sich mit Dämmen und Deichen ein Stück Sumpfland vom Meer erobern. Urbar machen. Und dieses Land als freie Menschen bewohnen und gemeinsam schützen und erhalten:

"Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das Letzte wär' das Höchsterrungene.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde,
Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft,
Den aufgewälzt kühn-emsige Völkerschaft.
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn. –
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick."

Quelle Foto Wikipedia, nach einem Gemälde von Stieler 1828.

Goethes Facebook

Dr. Faust und Mephisto wetten, dass Mephisto Faust nicht zufriedenstellen kann. Der Teufel wettet also gegen den ständigen Forscherdrang, gegen die Neugier des Menschen.

Faust ist ein schon älterer Mann. Mephisto will Faust ständig neue Versuchungen erleben lassen. Dazu muss Faust wieder jung gemacht werden.

Mephisto führt Faust zu einer Hexe. Die soll in ihrer Küche einen Trank brauen, der Faust wieder jung macht. Dazu zitiert die Hexe unter viel Brimborium einen langen komplizierten Zauberspruch aus ihrem Zauberbuch.

Faust kommentiert das:
Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber.

Mephisto:
Das ist noch lange nicht vorüber,
Ich kenn’ es wohl, so klingt das ganze (Face)Buch;
Ich habe manche Zeit damit verloren,
Denn ein vollkommner Widerspruch
Bleibt gleich geheimnissvoll für Kluge wie für Thoren.
Mein Freund, die Kunst ist alt und neu.
Es war die Art zu allen Zeiten,
Durch Drey und Eins, und Eins und Drey
Irrthum statt Wahrheit zu verbreiten.
So schwätzt und lehrt man ungestört;
Wer will sich mit den Narr’n befassen?
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabey doch auch was denken lassen.

Hexe:
Die hohe Kraft
Der Wissenschaft,
Der ganzen Welt verborgen!
Und wer nicht denkt,
Dem wird sie geschenkt,
Er hat sie ohne Sorgen.

Dr. Faust:
Was sagt sie uns für Unsinn vor?
Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
Von hundert tausend Narren sprechen.