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„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe
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Mal wieder: Der MDR dreht in Niederdorla, wie ich den Dreh erlebte:

Der MDR dreht am geographischen Mittelpunkt Deutschlands, in Niederdorla, meinem Heimatdorf.


Link zu meinem Artikel über die Dreharbeiten zur MDR-Sendung Unser Dorf hat Wochenende über Niederdorla am 14. März 2021:

Die Legende vom Lichtbringer

 Gott trennte das Dunkel vom Licht Gott schied Tag und Nacht Gott schuf Himmel und Erde und alle Tiere und Pflanzen. Zum Schluss schuf Gott den Menschen und war erst mal geschafft,  musste einen Tag lang ruhen. Gott setzte den Menschen ins Paradies. Der Mensch hielt es dort nicht aus und wurde gegangen.  Das alles wissen wir, können wir nachlesen.

STARKE FRAUEN, Teil 7: BRUNHILDE


Wir kennen die Sage, das Nibelungenlied. Okay, wir kennen Krimhild, die schöne Königin und Rächerin ihres Mannes Sigi. Der war stark und herrlich, ein Schönling aus dem Fitnesscenter. Wahrscheinlich blond. Aber zu doof zum Baden in Drachenblut und sehr naiv. Frauen liebten ihn. Krimhild bekam ihn. Hagen fand das doof usw. Witwe Krimhild heiratete aus Rache reich: Der Nibelungen Not. Bla, Bla.

Aber wer war BRUNHILDE?

Sie war die starke schöne Königin von Island. Nur, wer sie besiegte, den wollte sie heiraten. Als junge Frau, fast noch ein Mädchen, da traf sie Siegfried, ja, den schönen Sigi. Sie verliebte sich. Sigi nahm. Er war gerade auf Wanderschaft zu Krimhild, der Prinzessin mit Erbschaft. Da pflückte er eben die wilde Blume im Wald... Sigi versprach Brunhilde, zurück zu kommen und sie zu heiraten. Die Zeit verging. Brunhilde wurde Königin von Island. Sie wollte auf Sigi warten. Sie trainierte hart, um nur von ihm "besiegt" zu werden. 

Bei den alten heidnischen (!) Germanen waren die Frauen gleich berechtigt. Mit dem Christentum änderte sich das. Die Frau hatte dem Mann untertan zu sein. Das Nibelungenlied wurde von christlichen Mönchen fertig geschrieben. 

Da passten natürlich keine überstarken Frauen, die Männer besiegten, reihenweise. Da musste heidnische Zauberei im Spiel sein. Die Mönche machten aus Brunhilde eine Walküre, von Odin aus Walhalla verbannt. Und nur durch ihren Zaubergürtel war Brunhilde unbesiegbar.

Sigi fuhr mit König Günther nach Island zu Brunhilde. König Günther war Sigis Schwager. Der wollte Brunhilde frein. Sigi "besiegte" Brunhilde. Ob er dazu eine Tarnkappe brauchte? Brunhilde wurde trotzdem betrogen. Sie musste Günther heirateten. Sigi war ja schon vergeben. Und so weiter: Der Nibelungen Not.

STARKE FRAUEN, Teil 4: Tusnelda war keine Tussi

"Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder," barmte Kaiser August. Er war der mächtigste Mann der Welt. Er herrschte im Imperium Romanum, im Römischen Reich.

Varus war Statthalter des Reiches in Germanien. Er führte durch Dummheit und Dünkel drei Legionen in den völligen Untergang. Das waren über neuntausend schwer bewaffnete Legionäre plus Reiterei und Tross und Kasse. Auch für die alten Römer ein riesiger Verlust. Ebenso ein Verlust an Prestige. Die Römer waren sauer.

Der Anführer der Germanen in der Schlacht im Teutoburger Wald hieß Arminius. Er liebte Tusnelda, die Tochter des germanischen Fürsten Segestes. Der hatte Tusnelda einen anderem versprochen. Tusnelda liebte Arminius. Der entführte Tusnelda. Beide heirateten. Bald war Tusnelda schwanger. Ihr eigener Vater nahm sie gefangen und übergab seine schwangere Tochter an die Römer.


Arminius selbst konnten die Römer nicht erreichen. Sie rächten sich an seiner schwangeren Frau. Tusnelda wurde geschändet, erniedrigt, verspottet und in Rom öffentlich zur Schau gestellt. Im Jahre 17 nach Christus verliert sich ihre Spur. Und die ihres Sohnes Tumelicus.

Bis heute wirkt das Mobbing der Römer nach. Von Tusnelda ist Tussi abgeleitet.

Michael Zeng 

(Quelle Foto: Wikipedia.)

STARKE FRAUEN, Teil 6: Radegunde von Thüringen

Radegunde in der ehemaligen Klosterkirche von Portiers
Radegunde in der ehemaligen Klosterkirche von Portiers
520 nach Christus wurde Radegunde in Thüringen geboren, wo heute die Mühlburg steht, eine der Drei Gleichen. Radegunde war die Tochter des Bruders des letzten Königs der Thüringer Herminafried.

Das Reich der heidnischen Thüringer bestand etwa 80 Jahre, es reichte vom Harz bis an die Donau. Das Heer der Thüringer wurde an der Unstrut vom Heer der Franken vernichtet. Die vielen Toten stauten die Unstrut. Ihr Blut färbte das Wasser rot. Die Sachsen hatten die Thüringer im Stich gelassen. Der letzte König der Thüringer starb durch eine List der Franken. Seine Familie wurde nach und nach ermordet. Nur Radegunde blieb am Leben. Sie war da etwa elf Jahre alt.

Die Franken demütigten die Thüringer tief. Sie mussten viele Jahrhunderte lang Schweine an die Franken liefern.

Der fränkische König Chlothar I. ließ Radegunde am Hof christlich erziehen. Sie lernte lesen und verschlang viele Bücher. Ihre gute Kleidung und ihr gutes Essen verschenkte Radegunde an die armen Kinder am Hof. Man meinte aus Barmherzigkeit. Ich glaube, weil sie keine Geschenke der Franken annehmen wollte.

Als Radegunde zwanzig war, zwang der König sie, ihn zu heiraten. Radegunde verwehrte ihm den Vollzug der Ehe. Das Angebot einer Scheidung lehnte sie ab. Alles, was der König ihr schenkte, gab sie an die Armen weiter.

Nach einiger Zeit vermachte der König Radegunde ein Kloster in Portiers. Die Stadt liegt zwischen Paris und dem Atlantik. Radegunde ließ sich nicht zur Äbtissin wählen. Sie wollte einfache Nonne bleiben. Aber sie war die Königin.

Bald kam der fahrende römische Sänger Fortunatus vorbei. Er blieb 23 Jahre im Kloster der Radegunde. Er reiste viel im Auftrag des Klosters, führte Verhandlungen. Ihm diktierte Radegunde ihre Geschichte. Nach ihrem Tod wurde Radegunde heilig gesprochen.

Foto und Text: Michael Zeng 

In der Kirche ihre Klosters hängt heute noch eine Thüringer Fahne.  

STARKE FRAUEN, Teil 5: The Golden Earrings

Marlene Dietrich als Lydia in Die Goldenen Ohrringe
Quelle: Wikipedia
Die Band Golden Earring hieß zuerst The Golden Earrings: Die Goldenen Ohrringe
Die Band nannte sich nach dem gleichnamigen Film von 1947.
Der Star des Films war Marlene Dietrich: die Dietrich.

Marlene Dietrich: Sie betrat die Filmwelt als Tänzerin Lola im Lokal „Der Blaue Engel“. So hieß auch der Film. Wenn die Welt noch nicht wusste, was ein Vamp ist, jetzt wusste sie es. Ein Professor verfiel Lola total. Ihre Magnifizenz Professor Unrat machte sich wegen Lola zum Pfeffi, zum Idioten. Lola zuckte mit den Schultern.

Die Nazis wollten Marlene Dietrich instrumentalisieren, als Super Germanin. Die Dietrich zuckte mit den Schultern. Die Film-Nazis waren der Dietrich zu piefig. Sie hatte genug von den Professoren Unrat.

Goebbels, der Bock von Babelsberg, hatte bei der Dietrich keine Chance. Den Spitznamen bekam Propaganda-Chef Goebbels wegen seiner Methoden, wie er junge Schauspielerinnen auswählte und engagierte.

Die Dietrich ging nach Hollywood. Sie lernte Englisch ohne Akzent, nahm ab. Als Lola war sie sinnlich pummelig, als die Dietrich nicht. Ihre Disziplin war aus Stahl. Die Amerikaner feierten sie. Nach Deutschland kam die Dietrich im amerikanischen Jeep zurück. Als Siegerin.

Der Film „Die goldenen Ohrringe“ spielt im Zweiten Weltkrieg. Ein amerikanischer Spion soll die Formel des deutschen Giftgases herausfinden. Die Dietrich spielt die Zigeunerin Lydia. Diesmal ist sie kein Vamp, sondern eine liebende Frau mit goldenem Herzen, golden wie ihre Ohrringe.

Die Tochter der Dietrich schrieb ein Buch über ihre gehassliebte Mutter „Meine Mutter Marlene“. Unter dem Foto der Lydia schrieb die Tochter: Eine echtere Zigeunerin gab es nie.

Die niederländische Band Golden Earring wurde berühmt mit dem Song: Radar Love. Im Lied singt ein Lkw-Fahrer, dass die Liebe zwischen ihm und seiner Frau über lange Entfernungen funktioniert, eben wie eine Art Radar Love.
 


Wer jemals an einen geliebten Menschen dachte, der kennt den Rhythmus: So schlägt ein liebend aufgeregtes Herz: Radar Love.


Michael Zeng

STARKE FRAUEN, Teil 1: Mythos MATA HARI... Die verratene Verräterin

Ab kommenden Jahr sind die Verhandlungsakten öffentlich. Dann werden wir wissen, ob Mata Hari wirklich eine Spionin war im Ersten Weltkrieg für das Deutsche Reich gegen Frankreich. Oder ob die Holländerin nur ein Opfer war der tödlichen Propaganda kurz vor Kriegsende. Fest steht, sie war die bekannteste Spionin und eine der Schönsten und sie wurde im Oktober 1917 hingerichtet. Mata Hari ist Javanisch und bedeutet "Auge des Tages". Gemeint ist die Sonne.

Quelle Foto: Wikipedia

STARKE FRAUEN, Teil 3: Judith enthauptet Holofernes

Judith gemalt von August Riedel
Judith gemalt von August Riedel

Judith ist eine Frau in der Bibel. Allerdings nur in der katholischen und der orthodoxen Bibel, nicht der evangelischen. Die Handlung aber ist ein Mythos.

Holofernes war ein Heerführen aus Asien. Er verheerte und verwüstete Kleinasien und Syrien. Mit 180.000 Mann wollte er Israel erobern. Zwischen ihm und Israel lag ein Gebirge. Der einzige Pass wurde von einer Bergfestung gesperrt. Betulia war Festung und Stadt. Holofernes belagerte die Wehranlage. Die Stadtoberen verzagten. Wussten keinen Ausweg.

Judith war eine junge Witwe, reich und schön. Sie ging zu Holofernes und sie gefiel ihm. Der Heerführer war angetan vom Mut der Judith und ihrer Schönheit und ihrer Bildung und Klugheit. Sie erzählte Holofernes Geschichten.

Am 40. Tag der Belagerung gab Holofernes zu Ehren der Judith ein Fest. Die kam mit ihrer alten Magd. Man feierte. Holofernes fraß und soff und grabbelte an Judith rum. Die lächelte. Holofernes torkelte mit ihr ins Schlafzelt. Besoffen schlief er ein. Judith lächelte.
Mit Holofernes eigenem Schwert schnitt Judith ihm den Kopf ab. Die Magd half.

Mit einem schweren Korb verließen Judith und ihre Magd das Lager des Holofernes.

Am nächsten frühen Morgen stürmten die Juden aus ihrer Festung. Vorweg trug ein Kämpfer das Haupt des Holofernes auf einer Stange. Das erschreckte die Kämpfer des Holofernes sehr. Sie ließen alles stehen und liegen und flohen Hals über Kopf.

Zu Lebzeiten der Judith hat niemand mehr Israel angegriffen.

Text: Michael Zeng 
Bilder: Judith gemalt von August Riedel. Judith enthauptet Holofernes, gemalt von Artemisia Gentileschi, einer Malerin der Renaissance, Zeitgenossin von Michelangelo und Raffael. Quelle der Fotos: Wikipedia

Judith enthauptet Holofernes, gemalt von Artemisia Gentileschi,
Judith enthauptet Holofernes, gemalt von Artemisia Gentileschi,

Der ungehörte HERBST

Und jedes Jahr wieder wird es Herbst. Es wird früh dunkel. Nebel. Wir frösteln und frieren und wollen eigentlich keine Wintersachen anziehen. Und in uns ist irgendwie noch Sommer. Aber ganz leise hören wir schon das Weihnachtsglöckchen.

HOLLYWOOD geh heim, heule.

Trotz all Deinem Geld und all den Effekten, im Dutzend wohl billiger, kannst Du keinen Film drehen, wie „Schulze gets the Blues“.

Was ist so großartig an diesem Film, der für wenig Geld entstehen musste?

Ein jemand findet seinen Weg und geht ihn.
Und dieser Jemand, Horst Krause, ist kein Hollywood-Prinz oder Rollen-König. Prad Pitt oder Robert de Nero, denen glaubt man sowieso, dass sie ihren Weg gehen wie Marlon Brando. Der hat gesagt: Auf dem eigenen Weg kann einen niemand überholen.

Jemandem wie Schulze glaubt man nicht, dass der seinen Weg gehen kann, einen exotischen Weg noch dazu.

Schulze ist doch gut aufgehoben: frühpensionierter Bergmann, Häuschen auf dem Lande. Er hat eine anerkannte Rolle auf seinem Dorf: Er spielt bei Dorffesten immer seine (selbe) Polka auf seinem Akkordeon. Immer zwischen Chor und Blaskapelle. Seinen Geist stählt er im Schachclub. Er bringt seiner Mutter im Altersheim Blumen. Er hat zwei Kumpel zum Angeln, Schachspielen und für den Stammtisch. Die Welt ist doch in Ordnung und auf der Reihe.

Aber dann!
Dann passiert etwas in Schulzes Leben, das alles ändert.
Er geht seinen Weg und landet in Louisiana, dem Land des Cajun.
Am Ende wird er in seinem Dorf beerdigt.
Aber vorher hat er etwas getan, was wenige sich trauen: ER HAT GELEBT.


Mehr Action kann auch Quentin Tarantino nicht.  

CAJUN heißt Sehnsucht

Ich hörte im Radio Cajun-Musik.
Sprich Kätsch'jun.
Das ist die Musik aus dem Süden von Louisiana, USA.


Französische Siedler aus Kanada brachten ihre Musik mit.
In Louisiana fanden sie die Musik der Kreolen aus der Karibik.
Von den Afroamerikanern kam der Blues.
Dazu ein Schuss Musik der Auswanderer von den Kanaren.

Das weite Delta des Mississippi steuerte die Melancholie bei.

Die Deutschen brachten das Akkordeon mit.

Und alle zusammen tanzen zur Fiddle. Alt und Jung.
Das Motto gefiddelt: Genieße das Leben.



Das ist Cajun-Musik.
Es gibt auch eine Cajun-Küche.

Da war sie wieder, die Sehnsucht nach der Ferne.
Das Ziel liegt immer hinter dem Horizont!

Cajun heißt Sehnsucht!

STARKE FRAUEN, Teil 0: ADAMS erste FRAU

John Collier: Lilith

Was in der Bibel steht, das muss man glauben. Unsere heutige Bibel ist eine Zusammenstellung jüdischer Sagen, Legenden und Geschichten. Die Redaktion befand sich im Tempel von Jerusalem. Die Redaktion wählte bestimmte Texte aus, verwarf andere. Die verworfenen fand im 20. Jahrhundert ein junger Hirte in einer Höhle in der Wüste.

Zu den heute fast vergessenen Legenden gehört die Geschichte von Adams erster Frau. Das was nicht Eva. Adams erste Frau war Lilith.

Schon die alten Babylonier berichten von Lilith. Alle alten Geschichten widersprechen sich. Mal ist Lilith ein Dämon, mal ein guter Geist. Mal lieb, mal grausam. Mal brachte Lilith Segen, mal Leid. Mal ist sie eine, mal viele. Lilith ist fassbar und unfassbar. Sie ist eine Frau.
Ihr schönster Beiname ist "Nachtwind".

Adam muss als erster Ehemann eher passiv gewesen sein. Lilith trat Gott auf Augenhöhe entgegen. 
Der Teufel hatte keine Macht über sie. Lilith fand Gottes wahren Namen heraus. Jawe oder Jehova ist nur eine Umschreibung. Immer, wenn Lilith Gott bei seinem wahren Namen rief, musste Gott ihr einen Wunsch erfüllen. Lilith bat Gott um Flügel und flog davon. Niemand weiß wohin.
Die Bibel will Lilith gesichtet haben unter den Tieren der Wüste.

Erst da tat Adam die linke Seite weh. Gott entfernte Adams Schmerz und formte Eva daraus.
Das Folgende ist bekannt. Eva überredete Adam, in den Apfel der Erkenntnis zu beißen. Adam und Eva erkannten, was gut ist, was böse ist. So verloren beide das Paradies. Lilith flog freiwillig weg. Fliegen zu können, war ihr wichtiger als passive Geborgenheit. John Collier hat Lilith gemalt.

Michael Zeng 

„Damit ich am Menschen nicht verzweifle.“

„Damit ich am Menschen nicht verzweifle.“ Damit hat der russische Schriftsteller Dostojewski begründet, warum er sich so oft und so lange die Sixtinische Madonna von Raffael anschaut.


Wir schauen uns das Gemälde auch an. Links kniet irgendein Papst. Dargestellt als Heiliger Sixtus. Daher der Name des Bildes. Dass es ein Papst ist, sehen wir an der Krone links unten. Er hat das Bild bezahlt. Die Figur zeigt auf ein Kreuz, das ursprünglich gegenüber dem Bild hing.
Rechts sitzt die Heilige Barbara. Demütig wendet sie den Blick nach unten. Barbara hält Blickkontakt mit dem rechten Engel. Der linke Engel schaut nach oben in die Mitte des Bildes.

Noch traue ich mich nicht, zu schreiben, was wir dort sehen, in der oberen Mitte des Bildes. Ich umschreibe weiter.

Das Bild wurde gemalt mitten in der italienischen Renaissance, vor etwa 500 Jahren.

Eine Generation zuvor malte Sandro Botticelli „Die Geburt der Venus“.


Eine blonde Junge Frau wird aus der Gischt des Meeres geboren. Der Hals ist anatomisch etwas zu lang und die Malweise bleibt plakativ und ist noch fast mittelalterlich. Trotzdem setzt Botticellis Venus Maßstäbe in Sachen Schönheit. An ihr muss sich jede blonde junge Frau messen lassen bis heute.
Botticelli lässt Venus, eine heidnische Göttin, schön sein. Okay, das ist eine heidnische Götze, die darf man angaffen und fraulich schön finden. Die hat es nicht anders verdient.

Und nun, eine Generation später: Raffael Santi. Er malte schön die heiligste Frau, die Mutter von Jesus, von Gottes Sohn, dem Vater gleich. Aber nicht der Erlöser, der Gesalbte, der Christus steht an der Spitze des Dreiecks, das das Gemälde beherrscht. Maria, die Madonna, steht an der Spitze, fast möchte ich sagen, an der Spitze der Evolution, aber die kannte Raffael noch nicht.

Auf den ersten Blick schaut auch Maria dorthin, wohin der Papst zeigt, auf das Kreuz.

Auf den zweiten Blick erkennen wir es: Maria schaut uns an, uns alle, uns, die Menschheit.

Maria präsentiert uns ihren Sohn. Sie zeigt den schüchternen Stolz einer jungen Mutter. Aber Maria ist auch traurig: „Seht, das ist mein Sohn! Er wird euch zeigen wollen: Die Liebe ist die größte Macht. Das Verzeihen die größte Heldentat. Und ihr? Euch fällt nichts ein, außer meinen Sohn ans Kreuz zu schlagen. Seit über zweitausend Jahren macht ihr ein großes Tara ums Todeskreuz meines Sohnes. Aber immer noch hasst ihr und tötet und verurteilt.“ Das rufen Marias Augen.

Auch Jesus graut vor dem, was ihn erwartet. Aber er wird es tun, predigen, leiden und grausam sterben.

Aber treten wir einen Schritt zurück und sehen uns nur das an, was wir sehen.
Wir sehen nicht, wir gaffen. Wir gaffen wie die Affen. Wir begreifen nicht, wie ein Mensch mit Pinsel und Farbe so ein Bild malen kann.

Und da kommen wir zurück zu Dostojewski. Er hielt die Sixtinische Madonna für die „höchste Offenbarung des menschlichen Geistes“.

Mehr bleibt nicht zu schreiben.

Michael Zeng

Play it Sam, play: „AS TIMES GOES BY“

Spiel es Sam, spiel [den Song] „As Times Goes By“.

Die Geschichte:
Rick liebte Elsa. Sie kamen nicht zusammen. Ihre Liebe hatte keine Zukunft, nur die Gegenwart.
Sie verloren sich aus den Augen wegen der Umstände.

Rick baute sich eine Existenz auf, ein Café in Casablanca in Marokko. Rick verbot sich und aller Welt alle Erinnerung an Elsa.

Dann taucht sie wieder auf in seiner Existenz. Und Elsa bittet den Pianisten das Lied zu spielen, das sie und Rick zusammen gebracht hat. Sie erfährt, vom Pianisten: Rick wartet immer noch. 

Es gibt kein Happy End.
Elsa hat einen Anderen, einen Mann der Weltgeschichte, den sie unterstützen will und soll und muss.

Die Erinnerung bleibt.

Der Film CASABLANCA war geplant als B-Movie, als Film vom Fließband.
Casablanca wurde Legende und ein Mythos und mit dem Film das Lied.
Wie alle Mythen werden Geschichten zum Mythos, wenn diese Geschichten allgemein gültig sind, wenn wir alle diese Geschichten erlebt haben.

Spiel´s nochmal, Sam!
  

Das HIMMLISCHE San Francisco oder das ewige LIEBESLIED

Nachdem das echte Jerusalem aus vielen Gründen nicht mehr erreichbar war, erfanden die Gläubigen das Himmlische Jerusalem. Das ist immer erreichbar, über die Traumleiter von jedem Ort aus ohne Reisekosten.

Für Leute, die Liebe gut finden, wurde aus dem realen San Francisco irgendwann das geträumte San Francisco.

Geben wir es doch zu: In der FDJ-Versammlung, da träumten wir nicht vom Sozialismus oder von der Lektüre der Dokumente des Marxismus-Leninismus. Wir träumten von San Francisco und dem, was Scott McKenzie meint, wenn er von dieser Stadt am Pazifik singt.

Wir träumten oder träumen davon, alles mal stehen und liegen zu lassen. Mit dem alten VW Bus T1 die USA zu durchqueren und in San Francisco anzukommen. Oder mit dem B1000.

Aus irgendwelchen irren Gründen hat der Westbesuch das nie gemacht. Die konnten doch. Nee. Die murmelten was von kein Geld haben und Kredit abzahlen müssen für´s Reihenhaus in Wanne-Eikel, Groß Gerau oder gleich in Schwäbisch-Hall.

Auch San Francisco ist keine Hippie-Hochburg mehr. Ich war dort, im Sommer 2000. In den Häusern von Janis Joplin und der Band Ten Years After wohnen fremde Leute. Die Haightstreet ist auch nicht mehr das Epizentrum der freien Liebe. Die ist heute museal. Alt-Hippies verkaufen Postkarten und Eintrittskarten, reißen die ab, und abends machen sie die Buchführung.

Aber der Traum bleibt. Und jeder träumt, mit seiner Liebe hinzufahren ins ewige San Francisco unserer Träume. Mit Blumen im Haar und die Frau möglichst im langen Kleid.


MUSIK genießen GEGEN das Erbe der alten NAZIS

Propaganda wird besonders ekelhaft, wenn unbeteiligte Kunst dafür missbraucht wird. Ein Kunstwerk wird missbraucht und verunglimpft.

So ein missbrauchtes Kunstwerk ist die sinfonische Dichtung „Les Préludes“ von Franz Liszt.

Gegen den Missbrauch der Kunst durch die Nazis sollten wir anhören.
Lauschen wir dieser wundervollen Musik. Sie ist eine Dichtung in der Sprache der Musik und ein Loblied auf die Fanfare.



Im Jahr 1854 hat der Komponist das Werk fertig gestellt. Das war fast 80 Jahre vor der sogenannten Machtergreifung der Nazis. In den Kriegsberichten in der Wochenschau im Kino diente das Hauptthema als Einleitung für die Berichte von der Ostfront.

Das ist doch die Kriegsmelodie“,

sagte meine Großtante noch 65 Jahre nach Fünfundvierzig, als sie die Melodie zufällig hörte. Für die Nazis war es die „Russland-Fanfare“! Von Sieg zu Sieg sollten die Noten führen. Sie führte in den totalen Untergang. Wir wissen es. Totaler Krieg führte zu totalem Untergang.

Die mussten Nazis tricksen, um die schöne Musik von Liszt vergewaltigen zu können.
Der Komponist stellte den Noten gleichzeitig zwei Widmungen voran.
Die Nazis veröffentlichten nur die zweite:

Dennoch trägt der Mann nicht lang die wohlige Ruhe inmitten besänftigender Naturstimmungen, und »wenn der Drommete Sturmsignal« ertönt, eilt er, wie immer der Krieg heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten, um im Gedränge des Kampfes wieder zum ganzen Bewusstwerden seiner selbst und in den vollen Besitz seiner Kraft zu kommen.“

Dieses dumpfe Getöse kam den Nazis gelegen.
Nun tönte die Wochenschau bis zum Untergang.

Die Nazis verschwiegen die erste Widmung, die der Komponist der zweiten voran stellte:

Was anderes ist unser Leben, als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt? ...“

Aber machen wir wieder gut, was die Nazis dem Werk von Liszt angetan haben, vergessen wir auch dessen Vorwort. Genießen wir die schöne Musik.
Wir dürfen das? Wir dürfen!

Wir kennen alle den Radetzkymarsch! Der belebt jedes Silvesterkonzert der Wiener Philharmoniker. Der populäre beschwingte Marsch ist gewidmet dem österreichischen General Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz. Der Marsch feiert den Sieg von 1848 der österreichischen Armee in einer brutalen Schlacht gegen die Aufständischen auf Sardinien. Die kämpften für ihre Freiheit gegen die österreichische Fremdherrschaft und verloren.

Und trotzdem schmettert der Radetzkymarsch! 


Der Abschied gibt dem Anfang Kraft

Die Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák feierte 1893 Weltpremiere.
Der Komponist verarbeitete seine Eindrücke von Nordamerika. Vor allem ließ er sich inspirieren von Geschichten und Legenden.

Im zweiten Satz der Sinfonie, dem Largo, erzählt Dvořáks die Szenen einer Trauer. Ein Liebender trauert um seine Geliebte. Das erzählt uns das Englisch-Horn. Die Trauer klagt einsam in die dunkle Höhe. Doch dann wird aus der Klage der Gesang der Vögel. Wie fröhliche Wellen spielt die Hoffnung sich heran. Aus dunkler Klage wird helles Weiter-Leben. Der Abschied gibt dem Anfang Kraft.

Genial erzählt im Klange der Musik!

Antonín Dvořáks schrieb das Buch, Herbert von Karajan liest uns vor...


ANFANG und ABSCHIED bei Hermann Hesse

Sonnenuntergang vom Harsberg bei Mihla aus gesehen.
Sonnenuntergang vom Harsberg aus gesehen. Foto: ich
Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Mondaufgang am Harsberg Foto: ich

JOHNNYs MODE

Kleine Geister streiten sich, ob DEPECHE MODE Einfluss auf die Rockmusik genommen haben oder nicht.

Country-Rock Titan (Legende, menschlicher Gott) JOHNNY CASH hat das endgültig entschieden.

Der große Cowboy der U-Musik interpretierte den Song „Personal Jesus“ von DEPECHE MODE.
So zog er seinen Hut vor den jungen Cowboys.

Seien wir ganz still und hören zu:


Anni-Frids GEHEIMNIS

„Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba (...)!“
Das schrieb der Apostel Paulus an die Römer 8,15

ABBA-Forscher in der ganzen Welt sehen hier das Wunder der Erwähnung in der Bibel. Das glauben Fans der schwedischen Pop- äh, Pop-Giganten.

Mit kindlichem Geist hören wir, äh, ich... wir doch irgendwie alle die Songs von Agneta, Anni-Frid, Björn und Benny. Sehr romantisch.

Ich kenne Musiker, die versprachen sich: Wer überlebt, der spielt „Arrival“ von ABBA auf der Beerdigung des anderen. Sehr romantisch.

Das Romantischste an ABBA ist aber für mich die Geschichte hinter dem Song „Fernando“:
Anni-Frid, die Brünette, war verheiratet mit Benny. Oder war´s Björn?

Aber da gab es einen... Nennen wir ihn Fernando. (Die ABBAs taten das.) Der war´s. Der war der Mann in Anni-Frids Leben. Dem ist der Song Fernando gewidmet.
Fernando!

Gab es Fernando nun oder nicht? Legende, Liebe oder Marketing?
Das bleibt des Geheimnis von ABBAs berühmtesten Song, der zehn Millionen Mal verkauft wurde: FERNANDO! Zehn Millionen Fernandos! 

„Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba (...)!“

Das schrieb der Apostel Paulus an die Römer 8,15




Arrival mit großem Orchester: