„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Freitag, 4. September 2015

MUSIK genießen GEGEN das Erbe der alten NAZIS

Propaganda wird besonders ekelhaft, wenn unbeteiligte Kunst dafür missbraucht wird. Ein Kunstwerk wird missbraucht und verunglimpft.

So ein missbrauchtes Kunstwerk ist die sinfonische Dichtung „Les Préludes“ von Franz Liszt.

Gegen den Missbrauch der Kunst durch die Nazis sollten wir anhören.
Lauschen wir dieser wundervollen Musik. Sie ist eine Dichtung in der Sprache der Musik und ein Loblied auf die Fanfare.



Im Jahr 1854 hat der Komponist das Werk fertig gestellt. Das war fast 80 Jahre vor der sogenannten Machtergreifung der Nazis. In den Kriegsberichten in der Wochenschau im Kino diente das Hauptthema als Einleitung für die Berichte von der Ostfront.

Das ist doch die Kriegsmelodie“,

sagte meine Großtante noch 65 Jahre nach Fünfundvierzig, als sie die Melodie zufällig hörte. Für die Nazis war es die „Russland-Fanfare“! Von Sieg zu Sieg sollten die Noten führen. Sie führte in den totalen Untergang. Wir wissen es. Totaler Krieg führte zu totalem Untergang.

Die mussten Nazis tricksen, um die schöne Musik von Liszt vergewaltigen zu können.
Der Komponist stellte den Noten gleichzeitig zwei Widmungen voran.
Die Nazis veröffentlichten nur die zweite:

Dennoch trägt der Mann nicht lang die wohlige Ruhe inmitten besänftigender Naturstimmungen, und »wenn der Drommete Sturmsignal« ertönt, eilt er, wie immer der Krieg heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten, um im Gedränge des Kampfes wieder zum ganzen Bewusstwerden seiner selbst und in den vollen Besitz seiner Kraft zu kommen.“

Dieses dumpfe Getöse kam den Nazis gelegen.
Nun tönte die Wochenschau bis zum Untergang.

Die Nazis verschwiegen die erste Widmung, die der Komponist der zweiten voran stellte:

Was anderes ist unser Leben, als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt? ...“

Aber machen wir wieder gut, was die Nazis dem Werk von Liszt angetan haben, vergessen wir auch dessen Vorwort. Genießen wir die schöne Musik.
Wir dürfen das? Wir dürfen!

Wir kennen alle den Radetzkymarsch! Der belebt jedes Silvesterkonzert der Wiener Philharmoniker. Der populäre beschwingte Marsch ist gewidmet dem österreichischen General Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz. Der Marsch feiert den Sieg von 1848 der österreichischen Armee in einer brutalen Schlacht gegen die Aufständischen auf Sardinien. Die kämpften für ihre Freiheit gegen die österreichische Fremdherrschaft und verloren.

Und trotzdem schmettert der Radetzkymarsch!