„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Polen retten das Abendland

Polnischer Flügelhusar, Quellen Wikipedia. 

Polnische Flügelreiter retten das Heilige Römische Reich deutscher Nation 

In der frühen Neuzeit (um 1500 bis circa 1780) waren die christlich geprägten Staaten in Mitteleuropa zerstritten.

Den deutschen Sprachraum umfasste etwa das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Aber dieses Konstrukt bestand aus über 300 einzelnen souveränen Herrschaften und Gebieten. Die römisch-deutschen Kaiser herrschten eigentlich nur in ihren eigenen Ländern, zum Beispiel in Österreich.

Praktisch hielt das Reich zusammen durch Tradition und Herkommen und Beschlüsse der Reichstage, die aber kein Parlament im heutigen Sinne waren. Eher Interessenvertretungen mit unterschiedlichem Stimmrecht der Delegierten. Nach dem Dreißigjährigem Krieg (1618-1648) bekamen auch Dänen, Schweden und Franzosen Einfluss im Reichstag.

Europäische Politik machte nicht das Reich, sondern die mächtigsten Fürsten im Reich. Deren Herrschaften und Territorien konnten auch großteils außerhalb des Reiches liegen. 

Einig waren sich die Mitteleuropäer als die Türken vor Wien standen. Das war 1529 und 1683.

Wien war damals eine der größten Städte in Europa und war das Eingangstor nach Westeuropa. Wären Wien und Österreich türkisch geworden, hätte das die europäische Geschichte stark verändert. Ungarn wurde bereits aufgeteilt zwischen Türken und Österreichern.

Bei der ersten Belagerung Wiens 1529 zogen sich die Türken zurück, offiziell wegen des schlechten Wetters. Eher wegen schlechter Versorgung und unterbrochener Nachschub-Linien.

Und die Europäer hatten sich kurzfristig gemeinsam in Stellung gebracht. 

Die wirklichen und angeblichen Gräueltaten des türkischen Militärs wurden in Wort und Bild verbreitet. Darauf bezog sich auch Martin Luther mit seiner sehr negativen Darstellung „der Türken“. 

Beim zweiten Versuch, Wien 1683 zu erobern, wurden die Türken direkt geschlagen. Eine wichtige Rolle spielte dabei polnische Reiterei. Die sah spektakulär aus, hinter dem jeweiligen Reiter ragten knatternde Flügel aus Holz und Federn empor.

Die polnische Kavallerie kam im letzten Augenblick der belagerten Stadt zu Hilfe. Und beschäftigten die Türken bis das Heer des Reiches zur Stelle war. Dazu kamen noch weitere christliche Verbündete. 

Die Polen nutzen für ihre Attacke einen Berg, den die Türken nicht besetzt hatten. Das türkische Heer hatte sich auf die Überwindung der Wiener Befestigung konzentriert. 

Die polnische schwere Reiterei stürmte den Berg hinab ins türkische Heer und trieb einen Keil der Wucht hinein. Die Türken flohen. Es war die größte Kavallerie-Attacke der bekannten Geschichte. 

Das Reichsheer und seine Verbündeten kamen nach der Attacke der Polen an und die Schlacht tobte noch einen Tag lang. Allerdings hatten die polnischen Reiter das Heer der Türken entscheidend geschwächt. 

Das war das Wunder vor Wien in der westeuropäischen Propaganda. Natürlich musste Gott im Spiel sein, damit die Polen nicht zu sehr gefeiert werden mussten und die Schwäche des Reichsheeres irgendwie Gott gewollt war.

Militärisch waren die Türken den Christen ebenbürtig. Gefürchtet und modern waren damals die türkische Artillerie und die türkischen Pioniere. 

Nach der militärische Niederlage der Türken vor Wien wurde der türkische Oberbefehlshaber auf Befehl des Sultans rituell erdrosselt. Sein Scheitern wurde symbolisch für strategische Arroganz. 

Mit der Niederlage der Türken vor Wien begann der Niedergang ihres osmanischen Reiches. Aus einem Weltreich wurde ein mittlerer Staat in  Kleinasien.

Quelle Foto: Wikipedia