Die Götterwelt der Germanen wurde untersucht von der Religionswissenschaft, der Sprachwissenschaft, Märchenforschern, von Historikern und Archäologen. Für den folgenden Text habe ich Erkenntnisse und beforschte Theorien zusammengefasst. Und schrieb auf meine Art. Auf Quellen und Literaturangaben habe ich verzichtet, könnte die aber nachreichen.
Vor allem erkunden Menschen die germanische Götterwelt, die immer wieder erzählen aus und über die germanische Götterwelt. Von diesen Menschen bekam viele Anregungen. Dankeschön.
Zuerst herrschten Riesen und Ungeheuer über die Erde und über die Naturgewalten.
Wahrscheinlich sind Naturgewalten sowie Berge, Flüsse, Seen, Fluten in Riesen und Ungeheuern personifiziert. Die Riesen und Ungeheuer konnten zerstören. Und taten das auch.
Der älteste Altar am Opfermoor in der heutigen Gemeinde Vogtei wurde im 6.Jahrhundert vor Christus errichtet. Es wurden Feldfrüchte geopfert, vielleicht den Wanen-Göttern. Foto: Michael Zeng |
Als Gegengewicht zu den Riesen und Ungeheuern entstanden die Wanen-Götter. Sie herrschten über Meer und Land, über Flora und Fauna und ähnliches.
Die Riesen und Ungeheuer verkörpern die Gewaltsame der Natur, die Wanen das Schöne und Wohlmeinende der Natur wie Fruchtbarkeit
Njörõr herrschte über das Meer, Freyr über Sonne, Mond und Sterne, seine Frau Freyja über die Fruchtbarkeit.
Gullveig herrschte über die Magie der Runen und Kvasir wusste alles. Er war der Gott des Wissens.
Die Wanen leben ewig, sind weise und gerecht. Aber sie können getötet werden.
Die Wanen sind edel, hilfreich und gut. Aber nicht kriegerisch. Die Riesen und Ungeheuer mussten heldenhaft bekämpft werden.
Für das Heldenhafte waren die Asen zuständig. Nach den rätselhaften und nicht fassbaren Wasen traten nun handfeste Götter auf die Bühne:
Wir kennen und verstehen Odin, Thor, Loki, Tyr. Der Chef war Odin, seine Frau Frigga galt als Muttergöttin. Thor war der große Heldenhafte. Teiwaz, oder Tyr war erst der Chef-Jurist und wurde Kriegsminister als die Römer kamen. Der Gott ohne Geschäftsbereich war Ermunaz, der große Universale.
Die Asen wohnten in Asgard, wahrscheinlich eine große Burg oder Siedlung im alt-germanischen Sinne.
Loki war wahrscheinlich älter als die Asen. Loki war ein Trickster. Den gibt es in allen ursprünglichen Kulturen. Er will stets das Böse und schafft doch Gutes. So gab es Trickster, die die Sonne, äh, ausschieden.
Es gab viele Asen, für alle möglichen Zuständigkeiten. Asen waren sterblich. Nur die Äpfel der Iduna machten sie unsterblich. Allerdings werden die Asen in der Endzeit ausgerottet. Wir sprechen von der Götterdämmerung. Riesen und Ungeheuer siegen am Schluss und der Kreislauf beginnt von vorn.
Schon vor dem Weltuntergang lehnten sich die Asen gegen die Wanen auf. Unter einem Vorwand kam es zum Wanenkrieg. Die Wanen gewannen. So wie die Natur auf Dauer immer gewinnt. Es gab einen Friedensvertrag. Wanen und Asen stellten gegenseitig Geiseln, die aber jeweils gleichberechtigt behandelt wurden. Das Stellen von Geiseln kennen wir von Arminius.
Die Gegner der Götter blieben Riesen und Ungeheuer. Wobei es auch Riesen gab, die von den Asen und Wanen als fast gleichberechtigt geachtet wurden.
Bemerkenswert ist: Die Riesen, Ungeheuer und Wanen personifizieren Natur-Elemente. Die Asen ethische Begriffe wie Macht, Klugheit, List, Heldentum, Kriegskunst, Liebe, Gerechtigkeit.
Riesen, Ungeheuer, Wanen, Asen bevölkerten also die germanische Götterwelt. Dazu kamen Elfen, Zwerge, Gnome, Trolle und einzelne Figuren der Mythologie.
Und abends, an den Lagerfeuern im Wohnstallhaus, da erzählten sich die Germanen Geschichten über alle.
Woher kamen Wanen und Asen? Die Wanen könnten alte Götter von Bauernkulturen sein, die Asen Götter einer indo-germanischen Nomadenkultur. Beide Kulturen vereinigten sich und ließen auch ihre Götter sich zusammentun.
Wir kennen Götter-Hierarchien auch von anderen Kulturen: Ägyptern, Griechen, Römern, Hindus, Mayas und Azteken.
Es spricht viel dafür, dass die Kultur mit Wanen-Göttern und die Kultur mit Asen-Göttern nördlich des Schwarzen Meeres aufeinander trafen. Die Wanen-Anbeter waren schon dort, die Asen-Gläubigen kamen dazu.
Vielleicht waren die Riesen und Ungeheuer Gottheiten von noch älteren Jägern und Sammlern. Aus dieser Zeit könnte auch Loki stammen. Trickster sind bekannt aus Sibirien und Nordamerika. Loki passt ja weder zu den Wanen noch zu den Asen. Er nervt universal.
Was lernen wir?
Die Germanen waren in vorrömischer Zeit eine schriftlose Kultur. Mit Runen haben sie keine komplexen Berichte verfasst. Damit eine derart komplizierte Götterwelt geschaffen werden konnte, war ein reger mündlicher Austausch der Geschichten nötig. Es muss also ein Netzwerk bestanden haben, über das Mythologie ausgetauscht wurde, komplexer wurde und in dem Wissen erhalten blieb. Vielleicht geschah das auch erst, als die Geschichten über Götter und Co. tatsächlich aufgeschrieben wurden. Von Snorri Sturluson und Kollegen im Mittelalter auf Island in ihren Eddas.
Die Germanen spiegel in den Asen den Aufbau ihrer Gesellschaft, die Hierarchien ihrer Stämme. Oben gab es einen Häuptling oder König mit Gemahlin und Hofstaat und Ämtern. Und Höflinge mit Familien und unterschiedlichen Interessen.
Von der Urzeit her bis ins Mittelalter und bis heute blieben Götter und über-irdische Wesen und Vorstellungen erhalten. Wie die Gesellschaft wurde auch die Götterwelt immer komplexer.
Neben Geschichte und Archivwissenschaft habe ich ja auch Religions-Ethnologie studiert. Gern tauche ich ein alte Mythologie.
Michael Zeng