„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Wie schön war die schöne Helena und warum?

Wie schön war die schöne Helena? 

Homer schrieb in seiner Ilias über den Trojanischen Krieg. Der brach aus, als Helena dem Trojanischen Prinzen Paris folgte und ihr Ehemann sie wieder zurück forderte. Er rief die griechischen Fürsten auf, mit ihm gegen Troja in den Krieg zu ziehen. 

Wahrscheinlich wäre der von Homer beschriebene Grund des Krieges eher was für Herrenwitze gewesen, aber Troja kontrollierte den Zugang zum Schwarzen Meer. Dessen Ufer wollten die Griechen kolonisieren. Da brauchten sie freien Zugang. Dieser Grund wird zwar nicht berichtet, aber er erschließt sich aus der späteren Geschichte der griechischen Kolonisation.

Bevor Helena, Helena von Troja wurde, war sie Helena von Sparta, also eine Spartanerin. Ihr Mann war der spartanische König Menelaos. Wahrscheinlich ein typischer Komisskopp. Auf jeden Fall ein Berufskrieger, dessen Kultur und Lebensaufassung auf Kriegstüchtigkeit beruhte. Menelaos war ein Soldat, er regierte eine Kaserne. Als König und Gemahl meldete er Besitzansprüche an auf Helena, seine Königin.

Aber was bedeutete es, dass Helena als schönste Frau der Welt galt und Spartanerin war?

Homer beschrieb nicht ihr Äußeres, er beschrieb Helenas Wirkung auf Trojas alte Männer. Als diese murrten, warum sie seit zehn Jahren Krieg führten wegen der Untreue einer Frau, da zeigte sich Helena. Die Männer sahen sie und waren bereit, weiter Krieg zu führen und ihre Söhne von den Griechen massakrieren zu lassen, denn:

„Nicht ist es zu verdenken, dass Trojaner und Griechen um eine solche Frau lange Zeit Schmerz erdulden; furchtbar gleicht sie den unsterblichen Göttinnen im Antlitz.“ _Homer in der Illias.

Was könnten wir über Helenas Schönheit wissen? 

Die Quellen schildern: Spartanerinnen waren strukturell anders als alle anderen Griechinnen. Sparta befand sich ständig im rituellem Kriegszustand. Das bestimmte das spartanische Leben. Das heißt, auch Frauen wurden spartanisch trainiert. Wie die Männer trieben Fraurn von Kindheit an Sport an der frischen Luft. Es galt die Auffassung: starke Frauen gebären starke Männer.

Das Training war hart, die Ernährung sportlich karg. 

Stadt und Staat Sparta galten als steinernes Feldlager in ständiger ritueller Alarmbereitschaft. 

Den kompletten Haushalt übernahmen Sklaven. So waren die Spartaner frei für Training und Verteidigungsbereitschaft.

In den anderen griechischen Staaten blieben die Frauen im Haus und sollten blass bleiben und sich nicht körperliche anstrengen. Sie sahen also anders aus aus die Spartanerinnen.

Ihr militärisches Training konnten die Spartanerinnen nicht im langen Kleid absolvieren. Sie trugen beim Training die Kleidung der Knaben und Männer. Also oben fast ohne, unten kurz und hoch geschlitzt, sportlich beweglich. Für die anderen Griechinnen galten Spartanerinnen als Schenkelzeigerinnen. Schamhaftigkeit galt in Sparta als etwas, was durch Training überwunden werden konnte.

Neben den Wirkungen des Trainings auf den Körper der Spartanerinnen, waren diese gewohnt, rechtlich den Männern in vielen Belangen gleich gestellt zu sein. So konnten sie eigenen Grundbesitz bewirtschaften und unabhängig vom Ehemann reich werden. Anders als anderen Griechinnen. Die hohe rechtliche Stellung und wirtschaftliches Eigentum machten die Spartanerinnen selbstbewusst. Das gab ihnen öffensichtlichen Einfluss. Und sie sagten offen ihre Meinung. Sie waren berühmt für ihre Sprüche mit gerader fast militärischer Aus- und Ansage.

Paris schaffte mit Aprodites Hilfe Helena für sich einzunehmen. Ihm gefiel wohl Helenas selbstbewusste Art und ihr trainierter, sonnengebräunter Körper. 

Helena beeindruckte wohl der Feinsinn und Bildung des Paris. Er kannte Liebeslyrik und lebte die Romantik des Friedens.

Vielleicht beeindruckte Helena ihren Paris mit ihrer freien Art. Vielleicht erschien sie ihm frech und wild und doch königlich. Und ihr gefiel an ihm sein Sinn für Poesie, Kunst, Kultur, sein Feingeist.

Wer weiß. Aphrodite wird's wissen. Die Göttin der Liebe selbst führte Helena und Paris zusammen.

Jedenfalls bleibt Helena durch Homer für immer die schönste Frau aller Zeiten. So lange Homer leuchtet in der europäischen Literatur.