„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“ _Johann Wolfgang von Goethe

Die Europäer standen wie ein Eisblock oder rettete Karl Martel das Abendland?

Die Franken unter Karl Martel schlugen 732 ein arabisch-berberisches Heer bei Tours und Poitiers. Das rettete das Abendland vor der Islamisierung. 

Das stimmt und stimmt nicht. Zeitgenössische Chronisten erwähnen die Schlacht nur am Rande. Ihre Bedeutung wurde erst später deutlich. 

Die damalige Welt-Frontlinie zwischen Abend- und Morgenland verlief zwischen dem arabischen Kalifat und dem byzantinischen Reich in Osteuropa.

Karl Martel war eine Art Superminister und Premier am Hofe der machtlosen Merowinger Könige. Die Macht lag bei Karl Martel. Sein Enkel wird Karl der Große genannt werden. Und die Dynastie der Karolinger begründen. Sein Reich wird von der Biskaya bis zur Ostsee reichen. Aber das war zur Zeit des Karl Martel noch Zukunft.

Die Araber hatten von der arabischen Halbinsel aus ganz Persien, Nordafrika und Spanien erobert. Schließlich zogen sie in das fränkische Reich, um zu  plündern und einzelne Städte und reiche Klöster zu überfallen. Die Stärke der Araber war ihre Kavallerie. Sie tauchten unerwartet schnell auf, überfielen, plünderten und verschwanden mit Beute und Sklaven. Vom arabischen Wort für diese Raubzüge kommt unser Wort Razzia.

Die Franken setzten zu dieser Zeit auf die Infanterie. Mit Muskelkraft, Mut und Schildwall. Bevor die Franken am Ort des Überfalls ankamen, waren die Araber verschwunden. Außerdem bestand das fränkische Heer aus Bauern, die für den aktuellen Kriegszug eingesammelt wurden.

Im Herbst 732 wollten die Araber die reiche Stadt Tours überfallen.

Doch auf dem Weg nach Tours blinkte Metall von einem bewaldeten Hügel herab. Dort stand zwar Infanterie, aber gut bewaffnet und trainiert: professionelle Kampfmaschinen. Die Arabische Kavallerie musste bergauf stürmen und konnte sich zwischen den Bäumen nicht entfallten. Reiter und Pferde fanden sich in einem Schlachthof wieder. 

Karl Martel befahl einer kleinen Einheit das Lager der Araber anzugreifen. Als das die Araber merkten, wollten sie das Schlachtfeld verlassen, um ihre Beute zu schützen. Das wurde quasi zu Flucht. 

Nach dieser Schlacht blieben die Araber noch mehrere hundert Jahre in Spanien mächtig. Aber die Zeit der Raubzüge ins Frankreich war vorbei.

Das wussten die Zeitgenossen noch nicht. Erst viele Jahre später wurde das erkannt. Vielleicht wäre die Schlacht vergessen worden, wenn Karl Martel nicht einen berühmten Enkel gehabt hätte.

Was aber blieb: In einer spanischen Chronik wurden im Jahr 754 die christlichen Kämpfer bei Tours und Poitiers EUROPÄER genannt als Bezeichnung für Bewaffnete, die auf fränkische Art kämpften. Die Kämpfer im Schildwall hätten gestanden wie "ein Eisblock". 

Das war die erste Erwähnung von Europäern im Sinne ihrer geografischen Herkunft.